Neue Hoffnung für Mieter – FAZ – Frankfurter Allgemeine Zeitung

Wohnungsnot in Deutschland, die Mieten werden unbezahlbar – so heißt es überall in den Großstädten. Die Politik beschließt ein Gesetz nach dem anderen, um den Mietenanstieg künstlich zu bremsen, Berlin verbietet sogar mit dem „Mietendeckel“ jede Anhebung, die die Inflation übersteigt. Doch nun machen neue Zahlen Hoffnung, dass sich die Lage für Mieter entspannt.

Dyrk Scherff

Dyrk Scherff

Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

Sie stammen vom Analysehaus Empirica, das fortlaufend die Mieten erfasst, welche auf Immobilienportalen für Neuvermietungen verlangt werden. Die Daten zum vierten Quartal 2019, die der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung exklusiv vorliegen, zeigen: Der Mietanstieg in den sieben größten Großstädten Deutschlands war im Vergleich zum vierten Quartal 2018 so niedrig wie seit 2014 nicht mehr. Die Durchschnittsmieten bei Neuverträgen stiegen nur noch um 1,5 Prozent.

Am Montag vorgelegte Zahlen des Immobilienspezialisten F+B gegen ein ähnliches Bild ab: Demnach sind die Neuvertragsmieten zum Jahresende 2019 nicht weiter gestiegen. Das Unternehmen, das Städte und Gemeinden bei der Aufstellung von Mietspiegeln berät, verzeichnete gar in einigen Gemeinden leichte Rückgänge, gerade in Bayern und Baden-Württemberg. Die Neuvertragsmieten bilden aber nur einen kleinen Teil des Mietmarktes ab. In bestehenden Verträgen stiegen die Mieten dagegen leicht weiter.

Empirica verzeichnete seit 2007 nur zwei Jahre mit einem geringeren Anstieg als 2019. Im dritten Quartal seien die Mieten gegenüber dem Vorquartal sogar erstmals seit langem gesunken. Noch 2017 waren sie  innerhalb eines Jahres um sechs Prozent gestiegen. Und bei Bestandsmieten ist der Anstieg erfahrungsgemäß sogar noch niedriger als bei neuen Verträgen. Die Mieten sind auch abermals weniger stark gestiegen als die Kaufpreise für Immobilien. Seit 2004 legten die Mieten für Neubauten in kreisfreien Städten um 43 Prozent zu, während die Kaufpreise für solche Wohnungen sich verdoppelten.

Großstädte könnten schrumpfen

Die Entwicklung fällt in den einzelnen Städten sehr unterschiedlich aus. In Berlin sind die Mieten im Vergleich zum Vorjahr gesunken, in München fielen sie zumindest im Vergleich zum Höhepunkt im zweiten Quartal. Hamburg verzeichnete nur einen geringen Anstieg. Stärker nach oben ging es in Stuttgart (6,7 Prozent) und Düsseldorf (3,5 Prozent). In Berlin wirft der Mietendeckel seine Schatten voraus, Hamburg profitiert von einer sehr guten Wohnungsbaupolitik. Die Stadt weist ausreichend Bauland aus, es wurde so viel gebaut, wie es die Nachfrage erforderte. Rechnerisch stand jedem Zugezogenen eine Neubauwohnung zur Verfügung. Auf der anderen Seite leidet Stuttgart unter seiner Kessellage, die es erschwert, neue Bauflächen zu gewinnen.

Die teuersten neuen Mietwohnungen gibt es in München vor Frankfurt und Stuttgart. Dann kommen aber schon die Mittelstädte Darmstadt, Mainz und Wiesbaden und dann erst Düsseldorf. Es folgen Freiburg und Heilbronn. Unterschiede gibt es auch zwischen den Wohnungsarten. Bei kleinen Wohnungen ist der Mietanstieg seit einigen Jahren stärker als bei großen Wohnungen. Das liegt an den Flüchtlingen und der steigenden Zahl von Studenten. Beide suchen eher kleine Wohnungen. Teure Luxusappartements sind hingegen besonders schwer zu vermieten, die Mieten stagnieren hier. Die Miethöhe hat eine Schmerzgrenze selbst für Wohlhabende erreicht.

Source: faz.net

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