Nach Warrens Rückzug: Die USA bekommen wieder keine Präsidentin – tagesschau.de

Nach dem Rückzug der Senatorin Warren steht fest: Auch nach der nächsten Präsidentschaftswahl wird wieder keine Frau im Oval Office sitzen. Stattdessen wird es wieder ein alter, weißer Mann.

Von Torsten Teichmann, ARD-Studio Washington

Vor ihrem Haus in Cambridge, Massachusetts, haben sich Anhänger und Journalisten versammelt. US-Senatorin Elisabeth Warren kommt zu ihnen. Es ist ein emotionaler Moment. Die 70-Jährige hat gerade ihre Bewerbung um das Präsidentenamt aufgegeben.

Eine Reporterin will wissen, welche Botschaft Warren für Frauen an diesem Tag hat? Und für die Mädchen, denen Warren bei Wahlkampfauftritten das Versprechen abgenommen hatte, sich eines Tages auch um ein politisches Amt zu bewerben: “Ich weiß. Am schwierigsten ist der Gedanke an all die Frauen und Mädchen, die weitere vier Jahre warten müssen.”

Es bleiben alte weiße Männer

Vier Jahre dauert es, bevor überhaupt die Chance besteht, dass sich eine Frau um eine Präsidentschaftskandidatur in den Vereinigten Staaten bewirbt. Bei den Demokraten ist zwar immer noch die Abgeordnete Tulsi Gabbard im Rennen, aber ohne Aussicht auf Erfolg. 

Nach der Niederlage von Hillary Clinton in der Präsidentschaftswahl 2016 hatten viele gehofft, dass es 2020 einer Politikerin gelingt, Präsident Donald Trump zu schlagen. Dabei waren die Demokraten gleich mit sechs Kandidatinnen in die Vorwahlen gestartet. Am Ende bleiben als Favoriten zwei weiße Männer höheren Alters übrig. Warum ist das so?

Sie seien an bestehenden Strukturen gescheitert, erklärt US-Senatorin Kamala Harris im Fernsehsender CNN. “Dieser Wahlkampf hat im Besonderen deutlich gemacht, welchen Hürden Frauen gegenüberstehen, die sich um das Präsidentenamt bewerben.”

Harris musste ihren Kampf um die Nominierung der Demokraten wegen fehlender Spenden bereits im Dezember aufgeben. Zum Nachteil wird, dass sich viele Demokraten nach vier Jahren Präsident Trump und Aufregung offenbar kaum nach einem Aufbruch und Unruhe sehnen, sondern eher nach ein wenig Langeweile. Sie setzen auf vertraute Gesichter im Politikbetrieb, wie zum Beispiel Ex-Vizepräsident Joe Biden.

Ehrgeiz von Frauen wird bestraft

Und noch etwas kommt hinzu: Auch in den USA werden Kandidatinnen immer noch für ihren öffentlichen gezeigten Ehrgeiz bestraft. Das bedeutet, als Warren im September 2019 im Feld der Kandidaten und Kandidatinnen die Führung übernahm, ging es im US-Fernsehen nicht mehr um ihre Pläne für einen Wandel in den USA. Es ging nur noch um die Frage, ob Warren denn auch sympathisch genug ist für US-Wähler.

Keine Frage: Sexismus ist existent

Sie habe die Haltung einer Schuldirektorin, wurde Warren vorgeworfen. Sie sei zu sehr Elizabeth, die Harvard-Professorin und zu wenig Betsy aus Oklahoma. Warren wurde in Oklahoma City geboren. Ob es eine Rolle gespielt hat, dass sie eine Frau ist, wird Warren vor ihrem Haus in Cambridge gefragt: “Ihr wisst, dass ist die Fangfrage für alle. Wenn Du sagst, ja, es gab Sexismus in dem Rennen, rufen alle Heulsuse. Und wenn Du sagst, es gab keinen Sexismus, dann denken Trillionen Frauen: Auf welchem Planeten lebt die eigentlich?”

Warren hatte ihrem Mitbewerber Sanders im Januar vorgeworfen, er habe behauptet, in den USA könne keine Frau Präsidentin werden. Die Häme, mit der sie von Sanders Anhängern anschließend überzogen wurde, macht jede Frage nach der Existenz von Sexismus in der Politik überflüssig. US-Senatorin Harris sagt, es gebe noch viel zu tun in den Vereinigten Staaten.

“Wir können lange darüber diskutieren, aber es muss erst noch viel passieren, damit allen klar ist, dass Frauen außergewöhnlich qualifiziert und fähig sind, um Präsidentin der Vereinigten Staaten zu werden.” 

Vielleicht ist das Land in vier Jahren bereit dafür. Jetzt geht es den Journalisten in Cambridge um den aktuellen Wahlkampf und um die Frage, wen Warren unterstützt: Biden oder Sanders? Die US-Senatorin bleibt standhaft und verweigert sich den Erwartungen. Es gebe keinen Grund, das diese Woche zu entscheiden, sagt die US-Senatorin und geht unter dem Beifall ihrer Anhänger. 

Source: tagesschau.de

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