Klimawandel: So schlecht wie die USA ist kein Staat im Klimaschutz – ZEIT ONLINE

Viele Länder auf der ganzen Welt tun mehr für den Klimaschutz und verzeichnen weniger Emissionen, auch der globale Kohleverbrauch geht deutlich zurück. Das zeigt der neue Klima-Index, den die Entwicklungsorganisation Germanwatch bei der UN-Klimakonferenz in Madrid vorstellen will. Demnach weisen allerdings andere Länder, insbesondere Australien, Saudi-Arabien und die USA, erheblich schlechtere Werte bei Emissionen, erneuerbaren Energien und Klimapolitik auf.

Die Studie bewertet die Bemühungen der Staaten im Kampf gegen die Erderwärmung und stuft sie in ein Ranking ein. Deutschland liegt darin auf Platz 23, was eine leichte Verbesserung zum Vorjahr ist. Damals wurde die Bundesrepublik auf Platz 27 eingestuft. Dies war die bisher schlechteste Platzierung in dem Ranking.

Die nur leichte Verbesserung erklärt Germanwatch zum einen mit der Klimapolitik der Bundesregierung, die der Organisation zu mutlos ist – auch wenn sich die große Koalition auf ein Klimapaket geeinigt hat und den Kohleausstieg per Gesetz festschreiben will. Zum anderen, so Germanwatch, sind Emissionen und der Energieverbrauch pro Kopf in Deutschland immer noch vergleichsweise hoch.

 “Deutschland kann sich deutlich verbessern, wenn sich die Bundesregierung engagiert für eine Erhöhung des EU-Klimaziels für 2030 auf mindestens minus 55 Prozent einsetzt”, sagte Ursula Hagen, eine der Autorinnen des Klima-Index. Zudem müsse auch der Ausbau der Windenergie wieder verstärkt werden. Vor allem aber müsste in Deutschland im Verkehrssektor mehr unternehmen, um die immensen Emissionen dort endlich abzubauen.

Klimawandel – Was, wenn wir nichts tun? Waldbrände, Eisschmelze, Unwetter: Der Mensch spürt die Erderwärmung. Wie sieht die Zukunft aus? Der Klimaforscher Stefan Rahmstorf erklärt unsere Welt mit 4 Grad mehr.

Deutschland nur im Mittelfeld

Im Ranking liegen vor Deutschland unter anderem noch Ägypten und Brasilien, wo den Studienautorinnen und -autoren zufolge mehr für das Klima getan wird. Spitzenreiter ist wieder Schweden – auch wenn es formal nur den vierten Platz einnimmt. Denn im Ranking bleiben die ersten drei Plätze leer, weil kein Land als sehr gut abschneidet. Interessant ist jedoch auch: Unter den Staaten, die bei ihrer Klimapolitik als vorbildlich gelten, sind auch Marokko (Platz 6) sowie Indien (Platz 9). Ein Grund ist das Bemühen dieser Länder, in erneuerbare Energien zu investieren. 

Und während mit Indien und Großbritannien (Platz 7) nur zwei G20-Staaten in der Kategorie “gut” zu finden sind, befinden sich acht G20-Staaten in der schlechtesten Kategorie des Index. Besonders negativ fallen dabei Australien (Platz 56 von 61), Saudi-Arabien und vor allem die USA auf. Die Vereinigten Staaten lösen erstmals Saudi-Arabien als Schlusslicht ab.

“Die Ergebnisse der in der G20 versammelten 19 stärksten Wirtschaftsnationen plus EU sind in großen Teilen alarmierend”, sagt Niklas Höhne vom NewClimate Institute, welches die Studie erstellt hat.

Unterdessen beginnen in Madrid die politischen Verhandlungen auf Minister-Ebene, nachdem bisher die Fachleute unter sich waren. Auch Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) wird teilnehmen und eine dreiminütige Stellungnahme für Deutschland im Plenum abgeben. Erwartet werden außerdem Reden der amtierenden Präsidentin der Klimakonferenz, Chiles Umweltministerin Carolina Schmidt, und UN-Klimachefin Patricia Espinosa.

Greenpeace fordert die EU zu geschlossenem Handeln auf

Aus Sicht von Greenpeace muss die zweiwöchige Konferenz an diesem Wochenende mit einer gemeinsamen Ankündigung aller Staaten enden, schneller und ambitionierter gegen den Klimawandel zu kämpfen. “Die Länder müssen sich in der Abschlusserklärung zur Konferenz verpflichten, im nächsten Jahr ehrgeizigere nationale Klimaschutzpläne vorzulegen”, sagte Greenpeace-Geschäftsführer Martin Kaiser. Auch auf die Aussagen der Klimawissenschaft zur Reduktion von Treibhausgasen, die zur Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad notwendig ist, müsse die Erklärung von Madrid sich beziehen.

Nach dem Pariser Klimaabkommen ist 2020 das Jahr, in dem die knapp 200 Mitgliedsstaaten ehrgeizigere Pläne vorlegen sollen. Umweltverbände argumentieren, dass dieser Prozess schon in diesem Jahr vorankommen muss, damit möglichst viele Länder mitziehen. Alle EU-Ministerinnen und -Minister
sollten daher geschlossen auf schärfere Ziele der Europäischen Union für 2030 dringen, so Greenpeace.

Eines der wichtigsten Themen der Verhandlungen in Madrid ist zudem, nach welchen Regeln Staaten oder andere Akteure Klimaschutz in anderen Ländern finanzieren und sich auf die eigenen Bemühungen anrechnen können. Kritiker fürchten, dass Maßnahmen doppelt gezählt werden könnten und der Druck sinkt, im eigenen Land umzusteuern.

Source: zeit.de

Geef een reactie