DFB-Elf gegen Türkei: Ausgleich in der Nachspielzeit

Bei Familie Neuhaus in Kaufering im Kreis Landsberg am Lech war die Freude bestimmt groß. Ihr Bub, der Florian, durfte am Mittwochabend in Köln nachholen, was ihm vor vier Wochen in Stuttgart und Basel versagt geblieben war: Damals sah Bundestrainer Joachim Löw noch nicht die Stunde gekommen, um dem 23-jährigen Mittelfeldspieler den Einstand in der Nationalelf zu gewähren. Diesmal, beim unverbindlichen Treffen mit der Türkei, schon. Neuhaus besetzte die Mittelfeldzentrale, und wie man ihn bei Borussia Mönchengladbach kennt, ging er auch im Nationalteam weite Wege und bemühte sich um konstruktive Akzente.

Besonders konstruktiv war sein Spiel in der 58. Minute, als Neuhaus die zwischenzeitliche 2:1-Führung erzielte. Bevor ihn Löw wenig später auswechselte, wurde er beim türkischen 2:2 auch noch Opfer eines Justizirrtums – der Referee hatte ein klares Foul an ihm übersehen. Familie Neuhaus konnte dennoch stolz und zufrieden sein.

Jenseits von Kaufering sah man das womöglich etwas anders. Das Ergebnis von 3:3 verheißt mehr Spektakel als es in der eher unterklassigen Partie tatsächlich gab. Besonders ärgerlich aus deutscher Sicht: Dreimal hatte die Elf vorn gelegen, dreimal wurde sie wieder eingeholt, das dritte Mal in der Nachspielzeit. Die Türken, die mehr Temperament ins Spiel brachten als die Gastgeber, hatten es sich verdient.

Waldschmidt trifft spät – aber die Türken lachen zuletzt

Nach dem 1:1 gegen Spanien und dem 1:1 in der Schweiz gab es für Löws Mannschaft somit auch im dritten Spiel der neuen Länderspielsaison ein Remis. Außer in Kaufering gab es zumindest in Mönchengladbach frohe Gesichter: Nach Neuhaus debütierten auch der Borusse Jonas Hofmann und der Ex-Gladbacher Mo Dahoud.

Diejenigen, die bis zum Pausenpfiff vor dem Fernseher dranblieben, benötigten dafür einen starken Willen und Durchhaltevermögen. Erst in der letzten Sekunde des ersten Durchgangs huschte ein Lächeln über das Gesicht des Bundestrainers. Julian Draxler hatte soeben auf feine Art das 1:0 geschossen. Das Tor war schön, das Spiel allerdings nicht. Wenig Tempo, wenig Spielfluss, wenig Glanz, darin bestanden die besonderen Merkmale des deutschen Auftritts. Freundschaftsspiele haben schon lange keinen guten Ruf mehr, vor allem dann, wenn sie tatsächlich im Geist der Freundschaft ausgetragen werden – und Millionen Menschen sich in ihren Wohnzimmern langweilen.

Deshalb ist der DFB seit längerem dazu übergegangen, Begegnungen ohne Pflichtcharakter als spiele zu deklarieren, das gibt der Sache einen ernsteren Anstrich. Diesmal jedoch war es ausdrücklich wieder ein Treffen in Freundschaft, das laut Generalsekretär Friedrich Curtius die deutsch-türkische Verbundenheit unterstreichen sollte. Neben deutschen wehten auch ein paar türkische Fähnchen unter den 300 handverlesenen Zuschauern auf der Tribüne in Köln. Der Bundestrainer hatte in Abwesenheit etlicher Stars nicht die 1A-Auswahl aufgeboten, aber wie versprochen eine Mannschaft mit Struktur formiert.

Source: sueddeutsche.de

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