Coronavirus weltweit: Rio erlaubt trotz hoher Opferzahlen wieder Samba-Happenings

Mitten in der Corona-Krise dürfen in Brasiliens Metropole Rio de Janeiro wieder Samba-Happenings stattfinden. Das berichtet das Nachrichtenportal G1 unter Berufung auf die Stadtverwaltung. Demnach sind künftig “zuvor genehmigte kulturelle Veranstaltungen und Aktivitäten” wieder gestattet, so zum Beispiel “Rodas de Samba”, bei denen Musiker zusammenkommen und spielen. Zu der Bestimmung gehöre, dass bei den Veranstaltungen die Hygienekonzepte eingehalten werden.

An der berühmten “Pedra do Sal” – einer in den Meeresfelsen geschlagenen Treppe in der Hafengegend Rios, die beliebter Austragungsort von Samba-Partys ist – wurden die Regeln allerdings bereits in den vergangenen Tagen nicht befolgt. Hunderte Menschen waren G1 zufolge vor Ort, viele ohne Mundschutz.

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Ein großer Teil des Lebens in Rio spielt sich im Freien ab. Vor allem am Wochenende ist es schwer, die “Cariocas”, wie die Bewohner der Stadt heißen, dazu zu bewegen, zu Hause zu bleiben. Dann füllen sich für gewöhnlich Strände und Bars. Die Samba-Gruppen waren zuletzt weitgehend verstummt. Der weltberühmte Karneval, der im Februar stattfinden sollte, wurde verschoben.

Nach den USA und Indien verzeichnet Brasilien die meisten Infektionen mit dem Coronavirus (über 4,9 Millionen). Mehr als 147 000 Menschen starben im Zusammenhang mit Covid-19 bislang. Nach Daten der Regierung des Bundesstaates Rio de Janeiro registrierte die Stadt Rio bis Mittwoch mehr als 277 000 Corona-Infizierte und mehr als 19 000 Covid-19-Opfer.

Ultra-Orthodoxe geraten in Israel mit der Polizei aneinander

In Israel sind in der Nacht zu Mittwoch Hunderte ultra-orthodoxe Juden mit der Polizei aneinandergeraten. Bilder zeigten eine große Menschenmenge in Jerusalem, die Steine und Metallstangen auf die Polizei warf, die wegen der Corona-Pandemie verhängte Einschränkungen durchsetzen wollte. Nach Polizeiangaben wurden 17 Personen festgenommen.

Auch in der ultra-orthodoxen Siedlung Modiin Ilit im Westjordanland kam es zu Zusammenstößen. Die Polizei erklärte, sie habe Gläubige aufgefordert, eine Synagoge zu verlassen, und sei mit Steinen und Feuerwerkskörpern attackiert worden. Vier Polizisten hätten Verletzungen erlitten, sieben Personen seien festgenommen worden. Die israelische Regierung hat wegen steigender Infektionszahlen eine landesweite Ausgangssperre verhängt, nun wurde beschlossen, den speziellen Coronavirus-Notstand bis zum 13. Oktober auszudehnen.

Teile der ultra-orthodoxen Gemeinschaft halten sich jedoch nicht an Auflagen für religiöse Versammlungen. So hatte die Polizei jüngst mit den Gefolgsleuten eines an Covid-19 verstorbenen beliebten Rabbi abgesprochen, dass nur ein kleines Begräbnis stattfinden sollte. Es kamen Tausende, Sicherheitsabstände wurden nicht eingehalten und es kam zu Auseinandersetzungen mit der Polizei, die versuchte, die Ansammlung aufzulösen.

Aber auch Gegner von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu kritisieren das Verbot von Demonstrationen als Versuch, Regierungskritiker mundtot zu machen. Sie versammelten sich zu kleineren Protesten.

Trump stoppt Verhandlungen über Corona-Hilfspaket

US-Präsident Donald Trump hat die Verhandlungen mit den oppositionellen Demokraten über ein neues Corona-Hilfspaket bis nach der Präsidentenwahl am 3. November abgesagt. “Ich habe meine Vertreter angewiesen, die Verhandlungen zu stoppen”, twitterte Trump am Dienstag, einen Tag, nachdem er das Krankenhaus verlassen hatte und wieder ins Weiße Haus eingezogen war. “Unmittelbar nachdem ich gewonnen habe, werden wir ein großes Konjunkturpaket verabschieden, das sich auf hart arbeitende Amerikaner und kleine Geschäfte konzentriert.”

Trump warf der Demokratin Nancy Pelosi, Sprecherin des Repräsentantenhauses, vor, nicht in guter Absicht über die Hilfen zu verhandeln. In einem Tweet am späten Dienstagabend wandte sich Trump provokativ direkt an die Demokratin: Wenn er einen Gesetzentwurf für eine weitere Runde Stimulus-Schecks über jeweils 1200 Dollar vorgelegt bekäme, so Trump, sei er bereit, sofort zu unterschreiben. “Hörst du zu, Nancy?”

Trump spielte damit auf Direktzahlungen an die meisten Amerikaner noch vor den Wahlen an. Solche Zahlungen waren ein zentraler Bestandteil der Verhandlungen zwischen Pelosi und dem Weißen Haus, aber die Demokratin hatte es abgelehnt, die Hilfe schrittweise zu bieten.

Unklar blieb, ob der Präsident mit seinem Tweet seine vorherige Aussage zum Ende der Verhandlungen wieder einschränken wollte. In einer ersten Reaktion auf Trumps Entschluss hatte die Wirtschaft verschreckt reagiert, an den US-Börsen kam es zu Kursverlusten. Pelosi wies die Kritik Trumps umgehend zurück und sagte, Trump würde die Wahl ohnehin verlieren.

Die Demokraten haben vorgeschlagen, etwa 2,2 Billionen Dollar auszugeben. Die Trump-Regierung hat dies als “unseriös” bezeichnet, aber ihr Angebot selbst zuletzt auf fast 1,6 Billionen Dollar erhöht. Vorgesehen ist unter anderem eine wöchentliche Arbeitslosenunterstützung von 400 Dollar. Die Demokraten wollen 600 Dollar pro Woche durchsetzen.

Trump muss nach seiner Entscheidung auch Kritik aus den eigenen Reihen einstecken. Die republikanische Senatorin Susan Collins bezeichnete die Entscheidung zur Beendigung der Gespräche als “großen Fehler”. Unterstützung erhielt der Präsident dagegen vom Mehrheitsführer des Senats, dem Republikaner Mitch McConnell.

In der Pandemie wurden Millionen Menschen in den USA arbeitslos. Der Kongress und das Weiße Haus haben Anfang dieses Jahres Hilfsmaßnahmen von mehr als drei Billionen Dollar genehmigt. Allerdings wurden seit März keine neuen Programme verabschiedet.

WHO: Vermutlich zehn Prozent der Weltbevölkerung infiziert

Jeder zehnte Mensch weltweit könnte sich nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation WHO bereits mit dem Coronavirus infiziert haben. Mike Ryan, der oberste Notfallexperte der WHO, sagte dem Exekutivrat der Organisation, dass es mehr Ausbrüche in Teilen Südostasiens gebe und dass die Zahl der Fälle und Todesopfer in Teilen Europas und des östlichen Mittelmeerraums steige.

“Nach unseren derzeit besten Schätzungen sind etwa zehn Prozent der Weltbevölkerung möglicherweise mit diesem Virus infiziert.” Dies variiere je nach Staat, von Stadt zu Land und je nach Gruppen. “Aber es bedeutet, dass die große Mehrheit der Welt weiterhin gefährdet ist”, sagt Ryan. “Wir gehen jetzt in eine schwierige Phase hinein. Die Krankheit breitet sich weiter aus.” 2019 lebten 7,7 Milliarden Menschen auf der Erde. Stimmt die WHO-Schätzung, hätten sich knapp 800 Millionen Menschen mit dem Virus angesteckt.

Paris schließt Bars und Cafés

Paris tritt wegen der alarmierenden Corona-Lage auf die Bremse und schließt Bars und Cafés. “Die Epidemie schreitet zu schnell voran”, warnte der Pariser Polizeipräfekt Didier Lallement am Montag. Man müsse verhindern, dass das Gesundheitssystem überlastet werde. In der Stadt und den Vorstädten gilt nun die “maximale Alarmstufe”. Das hat noch eine Reihe weiterer Einschränkungen zur Folge – Restaurants dürfen allerdings geöffnet bleiben. Die neuen Maßnahmen gelten zunächst von Dienstag an für zwei Wochen.

Die Lage in der französischen Hauptstadt ist sehr angespannt. Es gebe täglich mehr als 3500 neue bestätigte Corona-Infektionen im Großraum Paris. In der Hauptstadt steckten sich in den vergangenen sieben Tagen mehr als 260 Menschen pro 100 000 Einwohner mit dem Virus an. Unter Jüngeren sei diese Zahl sogar noch höher und liege bei rund 500, so die Gesundheitsbehörden. Mehr als ein Drittel der Intensivbetten sind demnach mit Covid-19-Patienten belegt.

Die “maximale Alarmstufe” galt bisher nur in Marseille und dem französischen Überseegebiet Guadeloupe. Danach kann noch der Gesundheitsnotstand ausgerufen werden. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron betont immer wieder, dass man mit dem Virus leben müsse. Die Regierung hatte in den vergangenen Wochen allerdings einen Zickzackkurs mit widersprüchlichen Botschaften eingeschlagen. Zunächst hatte sie die regionalen Behörden in die Pflicht genommen, dann plötzlich selbst Vorschriften gemacht. In den betroffenen Regionen fühlte man sich bevormundet.

Überraschend ist daher nun auch, dass Restaurants in der Hauptstadt geöffnet bleiben dürfen. Sie müssen strengere Hygienevorschriften erfüllen. In Marseille hingegen mussten alle Restaurants und Bars schließen, als in der südfranzösischen Hafenmetropole die “maximale Alarmstufe” ausgerufen wurde. Dagegen hatte es massiven Protest gegeben. Die Restaurants durften nun nach einer statt zwei Wochen wieder öffnen. Dafür hatten sich Regionalpolitiker starkgemacht.

In Paris galten bereits verschärfte Regelungen. So mussten Bars etwa bisher um 22 Uhr schließen. Einschränkungen für den Alkoholverkauf zum Mitnehmen und den Konsum auf öffentlichen Plätzen bleiben bestehen. Künftig bleiben nun in Paris und den inneren Vorstädten auch Turnhallen und Schwimmbäder zu. Lediglich Minderjährige dürfen dort noch zum Beispiel im Rahmen ihres Vereins Sport betreiben.

Für Einkaufszentrem gilt eine Beschränkungen von vier Quadratmetern pro Kunde. In Altersheimen sind nur noch Besuche von maximal zwei Personen gestattet – nach Vereinbarung. Studentenpartys und Feste sind in öffentlichen Räumen verboten. Kinos und Theater dürfen geöffnet bleiben. Hör- oder Speisesäle dürfen nur zur Hälfte gefüllt werden.

Coronavirus in Frankreich: 70 Intensivbetten für 78 Patienten

Ansteckungsrekord in Iran

Das iranische Gesundheitsministerium meldet 3902 Neuinfektionen – so viele wie nie zuvor binnen 24 Stunden. In diesem Zeitraum seien zudem 235 Menschen an oder mit dem Coronavirus gestorben, sagt eine Sprecherin des Ministeriums im staatlichen Fernsehen. Auch dies sei ein neuer Höchstwert nach dem Rekord Ende Juli.

Insgesamt steige die Zahl der bestätigten Infektionen auf 475 674. Iran ist das am stärksten von der Pandemie betroffene Land im Nahen Osten.

Corona im Iran – Von wegen Veilchenöl

Source: sueddeutsche.de

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