Coronavirus weltweit: Brasilien zählt fast 70 000 Neuinfektionen an einem Tag

Brasilien registriert eine Rekordzahl von neuen Coronavirus-Infektionen und Todesfällen. Das lateinamerikanische Land hat nach tagelangen Problemen mit der Datenübertragung jetzt 69 074 neue Fälle in 24 Stunden gezählt. Die Gesamtzahl der Infektionen erhöht sich damit auf mehr als 2,55 Millionen. Die Todesfälle stiegen um 1.595 auf 90 134. In beiden Punkten liegt Brasilien weltweit auf Rang zwei hinter den den USA.

Das 210-Millionen-Einwohner-Land hatte in den vergangenen zwei Monaten etwa 7.000 Corona-Tote pro Woche gemeldet. Die Pandemie hat sich inzwischen von den großen städtischen Zentren in ärmere Regionen im Landesinneren ausgebreitet.

Die Regierung in Brasilia gibt nach wie vor keine nationalen Richtlinien heraus. Es gibt keine klaren Zuständigkeiten in der Regierung. Und Präsident Jair Bolsonaro redet – obwohl selbst infiziert – die Gefährlichkeit des Virus herunter. Brasilien ist nach Schätzungen der PUC-Universität in Rio de Janeiro auf dem besten Weg, in der ersten Augusthälfte drei Millionen registrierte Infektionen zu erreichen.

Pelosi verhängt Maskenpflicht im US-Kongress

Die Sprecherin des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, macht Masken für alle Gesetzgeber in ihrer Kammer obligatorisch. Zuvor war der republikanische Abgeordnete Louis Gohmert aus Texas positiv auf Covid-19 getestet worden. Gohmert ist bekannt dafür, häufig ohne Maske durch die Hallen des Kapitols zu gehen.

“Mitglieder und Mitarbeiter müssen jederzeit in der Halle des Hauses Masken tragen, mit der Ausnahme, dass Mitglieder ihre Masken vorübergehend entfernen können, wenn das Woert erteilt bekommen”, sagte Pelosi auf der Etage des Hauses.

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Mindestens zwei andere Mitglieder des Hauses gaben an, sich nach Kontakt mit Gohmert selbst unter Quarantäne gestellt zu haben. Gohmert hätte am Mittwoch mit Präsident Donald Trump nach Texas fliegen sollten. Dafür wurde er routinemäßig auf Covid-19 getestet.

USA: Streit um neue Corona-Hilfspaket

Im Streit um ein neues Corona-Hilfspaket in den USA zeichnet sich trotz der auslaufenden Unterstützung für Millionen Arbeitslose keine Einigung ab. “Ich bin nicht optimistisch, dass wir irgendeine Art von umfassender Übereinkunft erreichen werden”, sagte der Stabschef des Weißen Hauses, Mark Meadows, am Mittwoch in Washington. Meadows war zuvor mit der Vorsitzenden des US-Repräsentantenhauses, der Demokratin Nancy Pelosi, zusammengekommen. Pelosi kritisierte das Hilfspaket des Weißen Hauses und der Führung der Republikaner anschließend als unzureichend.

Die Republikaner haben einen Vorschlag für ein neues Corona-Hilfspaket mit einem Volumen von rund einer Billion US-Dollar (860 Milliarden Euro) vorgelegt. Aus Sicht der Demokraten reicht das nicht aus. Besonders umstritten ist die zusätzliche Unterstützung des Bundes für Arbeitslose in Höhe von 600 Dollar pro Woche. Sie wird bislang zusätzlich zu der Hilfe der Bundesstaaten gezahlt. Die Republikaner wollen sie deutlich reduzieren. Das Hilfspaket vom März läuft Ende des Monats aus.

Der Schutz säumiger Mieter vor Räumung endete bereits am vergangenen Freitag. Die Mieter in den USA sind einer Untersuchung zufolge im Zuge der Pandemie um insgesamt mehr als 21,5 Milliarden Dollar in Zahlungsrückstand geraten. Die Schätzung wurde von der Beratungsfirma Stout, Risius and Ross vorgelegt parallel zu den Verhandlungen im Kongress über ein weiteres Hilfspaket.

US-Finanzminister Steven Mnuchin sagte am Mittwoch, man liege “sehr weit entfernt” von den Demokraten. Man diskutierte daher kurzfristige Lösungen für Arbeitslose und Mieter, bevor die Hilfsmaßnahmen ausliefen. Pelosi zeigte sich allerdings nicht offen für eine kurzfristige Lösung in diesen Punkten, während die Verhandlungen über das Gesamtpaket weiterliefen. Der Mehrheitsführer der Republikaner im US-Senat, Mitch McConnell, räumte ein, dass es auch innerhalb seiner eigenen Partei angesichts der steigenden Staatsverschuldung Vorbehalte gegenüber einem neuen Hilfspaket gebe.

Die zusätzliche Arbeitslosenhilfe des Bundes wurde zuletzt von mehr als 16 Millionen Menschen in den USA bezogen. Am vergangenen Donnerstag war die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in der Corona-Pandemie erstmals seit mehr als drei Monaten wieder gestiegen. In der Woche bis einschließlich 18. Juli stellten nach Angaben des Arbeitsministeriums mehr als 1,4 Millionen Menschen in den USA einen entsprechenden Antrag.

Jetzt mehr als 150 000 Corona-Tote in den USA

In den USA sind laut Johns-Hopkins-Universität mittlerweile 150 000 Menschen im Zusammenhang mit dem Coronavirus gestorben – so viele wie nirgends sonst auf der Welt. Und die Zahl der Toten steigt rasch. Zum ersten Mal seit Mai sind nach Reuters-Daten an einem einzigen Tag 1461 Menschen an einer Coronavirus-Infektion gestorben. Das entspricht rechnerisch etwa einem Todesfall pro Minute. Die Zahl der nachgewiesenen Infektionen stieg binnen eines Tages um mehr als 64 000 auf knapp 4,4 Millionen. Auch hier sind die USA das am stärksten betroffene Land der Welt.

Allein in diesem Monat starben in Texas 4000 Menschen, in Florida fast 2700 und in Kalifornien 2500. In diesen Bundesstaaten sowie in Arizona war in den vergangenen Tagen die Zahl der Infektionen so hoch, dass die Krankenhäuser überlastet waren. Die Bundesstaaten sahen sich dazu gezwungen, zuvor verkündete Lockerungen der Corona-Beschränkungen wieder zurückzunehmen. In Kalifornien leiden nach Behördenangaben vor allem Latinos unter der Seuche. Sie machten ein Drittel der Bevölkerung aus, aber auf sie entfielen 56 Prozent der bekannten Infektionen und 46 Prozent der Todesfälle.

Israel: Mehr als 2000 Neuinfektionen an einem Tag

Die Zahl der täglichen Neuinfektionen mit dem Coronavirus ist in Israel so hoch wie nie zuvor. Das Gesundheitsministerium des Landes teilte am Mittwoch mit, am Vortag seien 2093 Fälle gemeldet worden – mehr als an allen anderen Tagen während dieser Pandemie bisher. Ein Wert von 2000 Neuinfektionen pro Tag galt zuletzt als Marke für schärfere Einschränkungen bis hin zu einem kompletten Lockdown.

Mitte Mai hatte die Zahl der täglichen Neuinfektionen noch im zweistelligen Bereich gelegen, Israels Strategie im Kampf gegen das Virus war als Vorbild betrachtet worden. Nach raschen Lockerungen schnellen die Zahlen jedoch seit Ende Mai in die Höhe. Zum Vergleich: Die Gesundheitsämter in Deutschland meldeten nach Angaben des Robert-Koch-Instituts zuletzt 684 neue Infektionen innerhalb eines Tages. Deutschland hat etwa neunmal so viele Einwohner wie Israel.

Wurde Ministerpräsident Benjamin Netanjahu zu Beginn der Pandemie für sein Krisenmanagement gelobt, sehen sich er und seine Regierung mittlerweile Protesten gegenüber. Die Krise belastet die Wirtschaft, die Arbeitslosigkeit liegt bei mehr als 20 Prozent. Seit Wochen protestieren Netanjahus Gegner. Israels neuer Corona-Beauftragter, Ronni Gamzu, will die Armee nun stärker in den Kampf gegen das Virus einbinden.

In die Kritik geraten ist auch der Minister für öffentliche Sicherheit, Amir Ochana, dem Gegner vorwerfen, die Proteste gegen Netanjahu unterdrücken zu wollen. Nach einer Demonstration vor Ochanas Wohnhaus in Tel Aviv kam es am Dienstagabend zu Gewalt. Mutmaßliche Mitglieder einer rechten Hooligangruppe sollen sich Berichten zufolge unter die Demonstranten gemischt und sie attackiert haben. Der Polizei zufolge wurden vier Menschen festgenommen. Sie seien an Störungen der öffentlichen Ordnung und Straßenblockaden beteiligt gewesen.

China verzeichnet höchste Zahl an Neuinfektionen seit April

Trotz strenger Vorsichtsmaßnahmen erlebt China die höchste Zahl neuer täglicher Infektionen seit drei Monaten. Obwohl die Volksrepublik das Virus weitestgehend im Griff hat, meldete die Gesundheitskommission am Mittwoch in Peking rund 100 neue Fälle. Größere Ausbrüche gibt es in Ürümqi in der Nordwestregion Xinjiang und in Dalian. Von der nordostchinesischen Hafenstadt haben sich die Infektionen durch Reisende in neun andere Städte ausgebreitet – auch nach Peking, das den ersten Fall seit drei Wochen verzeichnete.

Da China praktisch eine “Null-Fälle-Politik” verfolgt, reagieren die Behörden mit strengen Maßnahmen. In Dalian, wo der Ursprung des Ausbruchs in einer Fischfabrik vermutet wird, wurde schon die Hälfte der sechs Millionen Einwohner getestet. In Ürümqi stehen die Tests der 3,5 Millionen Einwohner vor dem Abschluss. Die Hauptstadt von Xinjiang berichtete am Montag 89 neue Infektionen.

Im Vergleich zu der dramatischen Entwicklung in anderen Ländern sind die Zahlen in China mit rund 500 offiziell berichteten aktuellen Erkrankungen eher gering. Trotzdem wurden Hunderte Flüge und Züge gestrichen. Der öffentliche Nahverkehr in Dalian wurde eingestellt. Reisende aus Risikobezirken der Hafenmetropole müssen in der umliegenden Provinz Liaoning 14 Tage in Quarantäne.

In China, wo Anfang Dezember 2019 die ersten Fälle der Covid-19-Pandemie aufgetreten waren, gelten ohnehin weiter strenge Vorsichtsmaßnahmen: Corona-App, Mundschutz und Fiebermessen gehören zum Alltag. Ohne grünes Licht durch das Handy-Programm lassen sich etwa in Peking keine Supermärkte, Läden oder Restaurants betreten. Märkte oder Wohnanlagen installieren am Eingang schon Geräte zur automatischen Messung der Temperatur.

Auch ist Chinas Grenze für Ausländer praktisch noch dicht, da keine regulären Visa vergeben werden. Mit acht Ländern wie auch Deutschland gibt es aber Ausnahmeregelungen. Allerdings konnten seit Ende Mai nur rund 1000 Passagiere mit Sonderflügen der deutschen Handelskammer in China einreisen, mussten aber meist zwei Wochen in Quarantäne.

Italien verlängert Notstand

Seit mittlerweile fast sechs Monaten gilt in Italien der Notstand. Das aktuell gültige Dekret läuft Ende Juli aus, doch die Regierung möchte die Maßnahme bis Oktober fortsetzen. Das Oberhaus, der Senat, stimmte der Verlängerung des Corona-Ausnahmezustands bis zum 15. Oktober zu. 157 der 319 Senatoren votierten für den Antrag von Ministerpräsident Giuseppe Conte, der der Regierung mehr Befugnisse im Kampf gegen den Krankheitserreger einräumt, 125 votierten dagegen. Das Unterhaus stimmt am Mittwoch noch darüber ab.

Ministerpräsident Giuseppe Conte sagte am Dienstag im Senat, der kleineren der zwei Parlamentskammern, dass eine Verlängerung “unvermeidlich” sei. Politiker der rechten Opposition und einige Rechtsexperten aber sind gegen eine solche Maßnahme. Sie sehen Grundrechte in Gefahr und werfen der Regierung vor, dass sie mit Dekreten am Parlament vorbei regieren wolle. Aufgrund der Kritik wollte Conte in beiden Kammern für die Maßnahme werben. Bis wann im Oktober der Notstand gelten könnte, war zunächst nicht sicher.

Der Notstand wird in Italien eigentlich nach Naturkatastrophen wie Erdbeben oder Überschwemmungen ausgerufen. Die Maßnahme gibt der Regierung besondere Rechte. Der Staat kann so Einsatzkräfte besser koordinieren und bürokratische Hürden vermeiden.

Conte hatte den Notstand am 31. Januar für ein halbes Jahr ausgerufen, nachdem bei einem chinesischen Paar in Rom das Coronavirus nachgewiesen worden war. Im Februar brach dann die Pandemie im Norden des Landes heftig aus. Mittlerweile hat Italien mehr als 35 000 Tote mit und durch Corona registriert. Derzeit ist die Infektionswelle mit dem Virus Sars-CoV-2 nach Experteneinschätzung aber unter Kontrolle.

Source: sueddeutsche.de

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