Coronavirus/USA: Trump ruft zu Widerstand auf – Gouverneur: „verwirrte Beschimpfungen“ | Politik – merkur.de

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Donald Trump lässt kaum eine Gelegenheit aus, politische Widersacher zu verunglimpfen. Nun ruft der US-Präsident die Bürger zum Widerstand auf. Arnold Schwarzenegger eilt Kalifornien zu Hilfe.

  • Donald Trump gibt auf Twitter wieder mächtig Gas und fordert zum Widerstand auf.
  • Der US-Präsident fordert ein Ende der Ausgangssperre in den Bundesstaaten.
  • Speziell auf die demokratisch geführten Staaten hat es der 73-Jährige abgesehen.
  • Hier finden Sie die grundlegenden Fakten* zum Coronavirus, außerdem aktuelle Fallzahlen in Deutschland.

Washington – Donald Trump hat am Freitag gleich mehrere Twitter-Botschaften „losgefeuert“ und seine Solidarität mit den Demonstranten bekundet, die sich für ein Ende der Ausgangsbeschränkungen aufgrund des Coronavirus starkmachen. “Befreit Minnesota!” und “Befreit Michigan!”, schrieb der US-Präsident und schickte ein “Befreit Virginia, und rettet euren großartigen zweiten Verfassungszusatz. Er steht unter Belagerung!” hinterher. Dieser Zusatz bezieht sich auf das in der US-Verfassung garantierte Recht auf Waffentragen. 

Corona: Donald Trump attackiert US-Gouverneure – Reaktionen folgen prompt

In allen drei Bundesstaaten hatte es in den vergangenen Tagen Demonstrationen gegen die wegen des Coronavirus verhängten Ausgangsbeschränkungen gegeben. Warum der vermeintlich mächtigste Mann der Welt das macht, liegt auf der Hand: Diese drei US-Staaten werden von Politikern der Demokratischen Partei regiert – also arge Widersacher des Republikaners Trump.

Auch der (demokratische) Gouverneur des Bundesstaates New York, Andrew Cuomo, wurde von Donald Trump* angegangen: Dieser solle “rausgehen und seine Arbeit machen”, schrieb der 73-Jährige über den Regierungschef des mit über 10.000 Todesopfern vom Coronavirus am schwersten betroffenen US-Bundesstaates. Cuomo selbst reagierte bereits und entgegnete, wenn Trump “zu Hause sitzt und TV guckt, sollte er vielleicht aufstehen und zur Arbeit gehen”.

Die Einschränkungen im öffentlichen Leben gelten in mehr als 40 der 50 US-Bundesstaaten. Schon mehrfach hatte Donald Trump deutlich gemacht, dass er sich ein Ende der Ausgangsbeschränkungen wünscht, um die Wirtschaft wieder anzukurbeln. Die Entscheidungsgewalt liegt jedoch bei den Gouverneuren der einzelnen Staaten. Für Überraschung sorgte kürzlich, dass Florida trotz der Einschränkungen „grünes Licht“ für Wrestling-Veranstaltungen gab.

Kampf gegen Corona: „Keine Zeit, mich mit Twitter-Kriegen zu beschäftigen“

Michigans Gouverneurin Gretchen Whitmer reagierte auf Trumps Twitter-Botschaften mit den Worten, sie hoffe, diese würden “nicht weitere Proteste ermutigen”. Michigan werde das Wirtschaftsleben dann wieder zur Normalität zurückkehren lassen, “wenn es sicher ist”, betonte sie.

Virginias Gouverneur Ralph Northam sagte, angesichts des Kampfes gegen Corona habe er “keine Zeit, mich mit Twitter-Kriegen zu beschäftigen”. Der Gouverneur von Minnesota, Tim Walz, sagte zu den Tweets des Präsidenten, seine wichtigste Aufgabe sei es, für die Sicherheit der Bewohner seines Staates zu sorgen. Er habe ebenfalls nicht die Zeit sich mit der Frage zu beschäftigen, warum Multimillionär Trump* im Internet seine Angriffe verbreitet.

Der Gouverneur des Bundesstaates Washington dagegen kritisierte Trump scharf. Seine “verwirrten Beschimpfungen” und Rufe nach der “Befreiung” von Bundesstaaten könnten zu Gewalt führen, warnte Gouverneur Jay Inslee. Der Präsident stachele zum Aufstand an und verbreite Lügen. Auch Amtsvorgänger Barack Obama teilt heftig gegen Trump aus.

Donald Trump bestärkt US-Demonstranten Corona-Ausgangssperre

In allen drei von Trump genannten Bundesstaaten hatte es Demonstrationen gegen die Ausgangssperre gegeben, an denen sich Berichten zufolge Tausende Menschen beteiligten. Bei der größten Protestaktion hatten am Mittwoch bewaffnete Demonstranten in Minnesotas Hauptstadt Lansing protestiert, teilweise mit Trump-Wahlkampfmützen und -flaggen. Für das Wochenende sind weitere Demonstrationen gegen Corona-Maßnahmen geplant, auch in weiteren US-Staaten.

Dass es auch gemeinschaftlich gehen kann, zeigt sich derweil in Kalifornien: Ex-Gouverneur und Hollywood-Star Arnold Schwarzenegger soll während der Corona-Krise dem amtierenden Gouverneur Gavin Newsom als Berater zur Seite stehen. Demokrat Newsom stellte eine Arbeitsgruppe von Politikern und Geschäftsleuten vor, die an Plänen für die wirtschaftliche Öffnung und einen Neustart nach der Corona-Zwangspause mitarbeiten sollen. 

Corona in Kalifornien: „Gouvernator“ Schwarzenegger im Einsatz

Hierbei spielt auch der „Terminator“ eine Rolle: Neben dem Republikaner Schwarzenegger, von 2003 bis 2011 Kaliforniens Gouverneur, sind weitere Ex-Gouverneure mit an Bord. Aus der Wirtschaft gehören u. a. der frühere Disney-Chef Bob Iger und Apple-Konzernchef Tim Cook zum Beratungsstab im Kampf gegen die Ausbreitung der Lungenkrankheit*.

Newsom hatte diese Woche angekündigt an den umfangreichen Ausgangsbeschränkungen für die knapp 40 Millionen Einwohner des US-Westküstenstaates vorerst festhalten. Erst wenn die Zahl der Covid-19-Patienten* in den Krankenhäusern sinke, sollen die Einschränkungen des öffentlichen Lebens gelockert werden

Die USA sind seit geraumer Zeit das Land mit der höchsten Zahl nachgewiesener Corona-Infektionen auf der Welt. Ihre Zahl stieg am Freitag laut Johns-Hopkins-Universität auf über 700.000 Menschen, knapp 36.800 Todesopfer gibt es zu beklagen. Auch zu der statistischen Auswertung Chinas hat Trump seine ganz eigene Meinung: Er wirft dem Reich der Mitte vor, auch eine von der Regierung nach oben korrigierte Zahl der Corona-Opfer sei noch deutlich zu niedrig. Die tatsächlichen Zahlen* seien “wesentlich höher, und wesentlich höher als die der USA”, twitterte er.

Für die Vereinigten Staaten rechnet der Präsident dagegen mit viel weniger Toten infolge der Coronavirus-Pandemie, als befürchtet. Die derzeit erwartete Opferzahl liege unter Vorhersagen von mindestens 100.000 Toten, die das Weiße Haus kürzlich vorgestellt hatte. Der 73-Jährige sprach in einer Pressekonferenz von 60.000 – 65.000 Todesopfern.

In Deutschland ist eine 101-Jährige aus einer Seniorenresidenz getürmt, weil sie ihrer Tochter zum Geburtstag gratulieren wollte – das gelang dank gutgläubiger Polizisten.

PF mit dpa

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Rubriklistenbild: © dpa / Glen Stubbe

Source: merkur.de

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