Coronavirus NRW: Medizinische Versorgung in Heinsberg wird laut Landrat schwierig – DIE WELT

Der Landrat des besonders vom Coronavirus betroffenen Kreises Heinsberg erwägt Ausnahmeregeln für Ärzte, damit trotz der neuartigen Krankheit die medizinische Versorgung sichergestellt ist. Diese zu gewährleisten werde im Kreis derzeit zunehmend schwierig, betonte Landrat Stephan Pusch (CDU) am Montag in einer Videobotschaft auf Facebook. Er sprach von einer „ernsten“ Situation.

Immer mehr Praxen meldeten sich beim Gesundheitsamt ab. Nach den Vorschriften des Robert Koch-Institutes (RKI) müsse medizinisches Personal nach Kontakt zu Infizierten 14 Tage in Quarantäne. Es sei nun die Frage, ob der Kreis abweichende Richtlinien herausgebe, wenn das Personal „keinerlei Symptome“ zeige und „entsprechende Schutzvorrichtungen“ getroffen würden, so Pusch.

Die Zahl der bestätigten Corona-Infektionen in Deutschland ist mittlerweile auf über 157 gestiegen. Die meisten Fälle gibt es weiterhin in Nordrhein-Westfalen, wo alleine inzwischen 90 Erkrankte bekannt sind. Die tatsächliche Zahl der Fälle dürfte etwas höher liegen, weil neue Nachweise hinzukommen. So sind laut der Deutschen Presseagentur in Rheinland-Pfalz drei Fälle statt wie vom RKI gemeldet zwei.

Ausbreitung des Virus in Deutschland

Ausbreitung des Virus in Deutschland
Quelle: WELT

Die ermittelten Infektionen verliefen in Deutschland bisher mild. Die meisten Sars-CoV-2-Infizierten haben eine leichte Erkältungssymptomatik mit Frösteln und Halsschmerzen oder gar keine Symptome. 15 von 100 Infizierten erkrankten schwer, hieß es vom Robert-Koch-Institut. Sie bekommen etwa Atemprobleme oder eine Lungenentzündung.

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Wer sind die Patienten, und wie geht es ihnen?

In Nordrhein-Westfalen steigt die Zahl der nachgewiesenen Infektionen mit dem Coronavirus weiter. Bis Sonntagmittag gab es im besonders betroffenen Kreis Heinsberg nahe der niederländischen Grenze 65 bestätigte Fälle, wie ein Sprecher auf dpa-Anfrage sagte. Auch aus vielen anderen Teilen des Landes berichteten Städte, Kreise oder Krisenstäbe von Covid-19-Betroffenen – so auch aus Köln, Bonn, Mönchengladbach, dem Großraum Aachen, Duisburg, Düren und dem sauerländischen Lüdenscheid. Bisher sind es insgesamt 90 Fälle.

Immer gibt es einen Bezug zum Kreis Heinsberg – mit einer ersten Ausnahme: Seit Samstag wird ein 51-Jähriger in der Uniklinik Münster behandelt, der von einem Urlaub aus dem Iran zurückgekehrt war. Bei ihm fiel der Test auf das neuartige Coronavirus positiv aus. Nach Angaben der Klinik wird er jetzt mit leichten Symptomen, die einer Erkältung ähneln, isoliert behandelt. Es gehe ihm soweit gut. Seine Frau habe sich freiwillig in häusliche Quarantäne begeben. Die Stadt Münster hat einen Krisenstab eingerichtet.

Im Kreis Heinsberg wurden vier von rund 100 Kindern einer Kita positiv getestet. Es gehe ihnen gut, sie zeigten „allenfalls leichte Erkältungssymptome“, schilderte eine Sprecherin. In der Kita in Gangelt arbeitet eine 46-jährige Erzieherin, die an Covid-19 erkrankte und seit Tagen im Düsseldorfer Uniklinikum behandelt wird; ebenso wie ihr Ehemann (47). Die Kinder des Paares sind gesund.

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Coronavirus breitet sich aus

In Rheinland-Pfalz gibt es drei Fälle. Das Virus wurde bei einem 41 Jahre alten Soldaten im Bundeswehrzentralkrankenhaus in Koblenz festgestellt. Der Mann soll sich nicht krank fühlen, muss aber in der Klinik bleiben, bis er virenfrei ist. Der Soldat wohnt im nordrhein-westfälischen Gangelt und hatte an Karneval Kontakt zu dem dort schwer Erkrankten 47-Jährigen oder dessen Frau.

Der zweite Fall im Land kam am Donnerstag im Westpfalz-Klinikum in Kaiserslautern dazu. Dorthin war ein Mann mit Symptomen gekommen, der der Ministerin zufolge bis vor Kurzem im Iran gewesen war und dort Kontakt mit einer „symptomatisch auffälligen Person“ gehabt hat. Dem 32-Jährigen geht es laut Klinikum gut. Ein weiterer 32 Jahre alten Mann aus Kaiserslautern, der zum Kreis der Kontaktpersonen eines bereits bestätigen Falls gehöre, ist ebenfalls erkrankt. Auch er weise kaum Symptome auf.

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Die Zahl der bestätigten Coronavirus-Fälle in Baden-Württemberg ist auf 20 gestiegen. Das teilte das Sozialministerium in Stuttgart am späten Sonntagabend mit. Das Gesundheitsamt Mannheim habe drei Fälle gemeldet, das Gesundheitsamt Heilbronn einen. Es handelt sich um vier Männer.

Ein 68-Jähriger aus Mannheim habe Kontakt zu dem bestätigten Heidelberger Südtirol-Heimkehrer gehabt und befinde sich in häuslicher Isolation. Ein 24-Jähriger, der auch aus Mannheim gemeldet wurde, habe an Fastnachtsumzügen in Heinsberg (NRW) teilgenommen – und eine leichte Erkältung gehabt. Auch er befinde sich in häuslicher Isolation. Der dritte Mannheimer Infizierte ist ein 54-Jähriger Iran-Heimkehrer. Er habe Atemwegsprobleme und werde in eine Klinik eingewiesen, so das Ministerium.

In Heilbronn ist das Virus bei einem 20-jährigen Reiserückkehrer aus der Lombardei nachgewiesen worden. Er erkrankte am Tag der Rückkehr an einem grippalen Infekt, wie es hieß. Die Symptome seien am Folgetag bereits deutlich rückläufig gewesen. Er befindet sich in häuslicher Isolation.

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In Bayern ist die Zahl der Coronavirus-Fälle mittlerweile auf 35 gestiegen. In Bayern gibt es sechs neue bestätigte Fälle mit dem neuartigen Coronaviurs Sars-CoV-2. Betroffen seien fünf Menschen aus dem oberbayerischen Landkreis Freising und ein Mensch aus München, teilte das Gesundheitsministerium am Montagabend unter Berufung auf das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit in München mit. Die Fälle im Landkreis Freising stünden im Zusammenhang mit dem Ehemann einer Erzieherin, der ebenfalls positiv auf den Erreger getestet wurde.

In Hamburg gibt es einen dritten bestätigten Fall. Die infizierte Frau sei in der vergangenen Woche aus dem Iran über Frankfurt nach Hamburg gereist, teilte die Gesundheitsbehörde am Montag mit. Nach positiver Testung auf das Sars-CoV-2-Virus habe das Gesundheitsamt umgehend eine häusliche Isolation der Frau angeordnet, auch für ihre Kontaktpersonen. Zum genauen Gesundheitszustand der Patientin wurde nichts mitgeteilt. Es gebe keine Verbindung zu den beiden bisherigen Fällen.

Am vergangenen Freitag hatte das Universitätsklinikum Eppendorf berichtet, dass ein Arzt der Kinderklinik nach einer Italienreise infiziert ist. In der Nacht zum Samstag hatte die Feuerwehr eine Frau in die Asklepios-Klinik St. Georg gebracht. Auch sie war aus dem Iran zurückgekommen und muss wie der Kinderarzt zwei Wochen in häuslicher Isolation bleiben.

Am Samstagabend meldete die Hansestadt einen zweiten bestätigten Fall. Es handle sich um eine aus dem Iran stammende Frau, die in Hamburg gemeldet ist, teilte die Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz mit. Sie sei in der Nacht zum Samstag mit leichten Symptomen von der Feuerwehr in die Asklepios Klinik St. Georg gebracht und dort isoliert medizinisch betreut worden. Mittlerweile befinde sie sich in häuslicher Isolation.

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ILLUSTRATION - Eine Frau sitzt am 13.11.2018 in Hamburg am Laptop, waehrend Medikamente neben ihr stehen (gestellte Szene). Foto: Christin Klose | Verwendung weltweit

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In Hessen sind mittlerweile elf Fälle bestätigt. Am Samstagabend wurden zu den bereits bekannten vier Fällen vier weitere Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus bestätigt. Wie das Sozialministerium mitteilte, handelt es sich um drei Männer aus Frankfurt und eine Frau aus dem Landkreis Groß-Gerau. Zwei Männer aus Frankfurt und die Frau stehen im Zusammenhang mit dem Corona-Fall im Lahn-Dill-Kreis, der am Donnerstag bestätigt worden war. Die Krankheitssymptome seien bei allen milde, hieß es.

Ein 1988 geborener Mann aus Frankfurt ist nach Behördenangaben stationär isoliert. Ein 1992 geborener Mann aus Frankfurt befinde sich seit Freitag in häuslicher Quarantäne, hieß es weiter. Die Frau aus dem Landkreis Groß-Gerau ist bereits seit Donnerstag in häuslicher Quarantäne. Ein 1989 geborener Mann aus Frankfurt ist ebenfalls mit dem Virus infiziert. Dieser Fall stehe im Zusammenhang mit einer Italienreise. Nachverfolgt werde derzeit, mit welchen Personen die vier Neu-Infizierten Kontakt gehabt hätten, erklärten die Behörden.

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In Schleswig-Holstein sind drei Infizierte bestätigt. Ein Mann aus Henstedt-Ulzburg im Kreis Segeberg ist gemeinsam mit seiner Ehefrau in häuslicher Isolation, wie Landrat Jan Peter Schröder mitteilte. Hinzu kommt eine Person aus Lübeck, die sich wahrscheinlich auf einer Geschäftsreise in München angesteckt habe, teilten das Gesundheitsministerium in Schleswig-Holstein und die Hansestadt am Samstagabend mit.

Der dritte Fall ist eine Frau aus Nusse, wie der Kreis Herzogtum Lauenburg und das Gesundheitsministerium am Sonntagabend mitteilten. Sie habe nach einem Karnevalsbesuch und dem Kontakt mit später als positiv bestätigten Patienten leichte Erkältungssymptome. Die Patientin befinde sich derzeit in häuslicher Isolation. Eine stationäre Aufnahme in ein Krankenhaus sei aufgrund des aktuell stabilen Gesundheitszustandes zunächst nicht vorgesehen, hieß es.

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Auch in Bremen gibt es den ersten bestätigten Fall einer Infektion mit dem Virus. Es handele sich um eine Frau, die sich noch bis Donnerstag im Iran aufgehalten habe, teilte der Senat der Hansestadt mit. Sie zeigt nur leichte Symptome und liegt im Klinikum Bremen-Mitte. Das Gesundheitsamt in Bremen ist seit Samstag damit beschäftigt, Kontaktpersonen der betroffenen Frau zu ermitteln und erforderliche Maßnahmen einzuleiten. Seit Freitag sind in Bremen zudem zwei weitere Verdachtsfälle und deren Kontaktpersonen in häuslicher Quarantäne.

In Niedersachsen ist am Samstag ein erster Fall einer Infektion mit dem Coronavirus bestätigt worden. Dabei handelt es sich um einen 68 Jahre alten Mann aus Uetze. Er habe sich zuvor in Norditalien aufgehalten und muss zuhause in Quarantäne bleiben, befindet sich nach Behördenangaben aber in gutem Zustand. Niedersachsens Gesundheitsministerin Carola Reimann (SPD) will am Sonntagvormittag zusammen mit dem Präsidenten des Landesgesundheitsamtes, Matthias Pulz, über weitere Details informieren.

Im Zusammenhang mit dem ersten Corona-Fall in Berlin wurden bisher etwa 60 Personen ermittelt, mit denen der erkrankte 22-Jährige Kontakt hatte. Dazu gehörten die Eltern aus Nordhrein-Westfallen, Freunde, Mitbewohner, Kollegen wie auch Mitarbeiter der Rettungsstelle des Virchow-Klinikums, teilt Berlins Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci mit. Die Arbeit dazu sei aber noch nicht abgeschlossen. Dem Patienten gehe es den Umständen entsprechend gut. Laut Klinik Charite wurde die Infektion zufällig entdeckt, weil das Krankenhaus seit einer Woche bei Grippetests zugleich auch auf das Coronavirus testet. Der Mann sei mit Symptomen ins Krankenhaus gekommen, die nicht typisch für eine Coronavirus-Erkrankung gewesen seien.

Am Montagabend wurde bekannt, dass zwei weitere Menschen mit dem neuartigen Coronavirus infiziert somd. Es handele sich um zwei neue Fälle, die nach bisherigen Erkenntnissen nicht in Verbindung mit dem ersten nachweislich erkrankten Berliner stehen, teilte die Senatsverwaltung für Gesundheit mit. Es handelt sich um eine Frau aus Marzahn-Hellersdorf und einen Mann aus Mitte, sagte Kalayci.

In Sachsen ist nun auch eine Infektion nachgewiesen worden. Es handelt sich um einen Rentner aus dem Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge, wie der Sprecher das Landratsamtes am Montagabend in Pirna sagte. Kontaktpersonen des 59 Jahre alten Rentners sollen ermittelt und am Dienstagvormittag getestet werden, hatte der Sprecher des Landkreises, Enrico Albrecht, am Montagabend in Pirna mitgeteilt. Der Mann gehörte zu einer Gruppe von insgesamt 35 Reisenden aus dem Landkreis, die aus Italien zurückgekehrt war.

Der Mann sei in häuslicher Quarantäne. Sein Gesundheitszustand sei stabil, sagte Albrecht. Auch die übrigen Reisenden aus dem Bus sind in häuslicher Quarantäne. Als Zeitraum gab der Landratssprecher bis zum 16. März an, dann endet die Inkubationszeit. Bei ihnen wurde das neuartige Coronavirus Sars-Cov-2 bei ersten Tests bislang nicht festgestellt. Die Behörden versuchten parallel zu den Tests, sämtliche Kontakte der Verdachtsfälle zu ermitteln.

Und auch in Brandenburg ist erstmals ein Mensch nachweislich am Coronavirus erkrankt. Es handle sich um einen Mann, der von einer Reise nach Südtirol zurückgekehrt sei, teilte der Sprecher des Gesundheitsministeriums am Montagabend mit.

In Thüringen ist erstmals eine Infektion nachgewiesen worden. Das bestätigte der Sprecher des Gesundheitsministeriums am Montagabend in Erfurt. Es handelt sich um einen 57 Jahre alten Mann aus dem Orlatal, wie das Landratsamt des Saale-Orla-Kreises in Schleiz mitteilte.

Welche Maßnahmen werden ergriffen?

Das Robert-Koch-Institut rät zum regelmäßigen Händewaschen und zum Einhalten der „Niesetikette“. Vom Gebrauch von Atemschutzmasken raten die Experten ab und auch Desinfektionsmittel im Alltag seien unnötig. „Wasser und Seife reicht“, sagt Vizepräsident Lars Schaade. Gesichtsschutz hält er ebenfalls für ungeeignet. „Es gibt keine wissenschaftliche Evidenz, dass das irgendeinen Sinn hat.“

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Hygiene und Desinfektion

Die Infektionsketten sind teilweise nicht mehr nachvollziehbar. Dies darf laut Schaade jedoch nicht dazu führen, dass man den Fall und die Folgefälle, nicht mehr versucht nachzuverfolgen. Es könne gelingen, ein Infektionsgeschehen einzufangen und Ketten zu unterbrechen – so würde ein Cluster zum Erliegen kommen.

In weiten Teilen der Welt werden nicht mehr nur die Daten von landenden Fluggästen aus China in Deutschland erfasst. Auch ankommende Fluggäste aus Südkorea, Japan, dem Iran und Italien müssten nun ihre Daten abgeben, sagte Jens Spahn. Entsprechende Aussteigerkarten sollen sicherstellen, dass alle Reisenden schnell kontaktiert werden können, wenn sich herausstellt, dass ein Fluggast infiziert ist.

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Innenminister Horst Seehofer (CSU) sagte, solche Aussteigerkarten sollten auch im grenzüberschreitenden Zug- und Busverkehr ausgefüllt werden. Hier hoffe er auf eine Selbstverpflichtung der Transportunternehmen. Im Schiffsverkehr werde dies angeordnet. Für das Unterbrechen der Infektionsketten sei so ein Schritt unverzichtbar.

Seehofer schließt auch die Absperrung von Regionen oder Städten nicht aus. „Dieses Szenario wäre das letzte Mittel.“ Zudem sagte der Bundesinnenminister, er rechne frühestens zum Jahreswechsel mit einem entsprechenden Impfstoff. Bis dahin müsse das Virus mit den klassischen Mitteln des Seuchenschutzes bekämpft werden. „Wir müssen die Infektionsketten konsequent unterbrechen.“

Bundeskanzlerin Angela Merkel plädierte für „Maß und Mitte“. Es sollten nicht alle Veranstaltungen deshalb abgesagt werden. Deutschland gehöre zu den Ländern, die die besten Voraussetzungen hätten, um mit dem Virus klarzukommen. Karin Maag (CDU), gesundheitspolitische Sprecherin der Unionsfraktion im Bundestag, begrüßt die Absage von Großveranstaltungen, wenn ein hohes Infektionsrisiko besteht. “Insbesondere auch bei Veranstaltungen, die mit viel Reiseverkehr einhergehen, halte ich solche Absagen für grundsätzlich richtig”,sagte Maag WELT.

Im Übrigen würden Asylbewerber auf das neue Coronavirus getestet, sagte Seehofer. Denn die meisten würden über vorbelastete Länder wie den Iran, den Irak oder Afghanistan einreisen. An diesem Freitag wolle sich der Krisenstab mit dem Umgang mit Großveranstaltungen befassen.

Jens Spahn hat sich mit Vertretern der Ärzteschaft und Apothekern in Verbindung gesetzt. Er betonte, es sollten lieber zu viele Tests als zu wenige Tests durchgeführt werden. Die Behandlung von Infizierten erfordere keine Hochsicherheitsisoliereinrichtungen. Zur Behandlung des Virus sei nach bisherigen Erkenntnissen die reguläre Intensivstation und die reguläre Isolierung ausreichend, und hier gebe es einige tausend Betten. Im übrigen sei es jederzeit möglich, weitere provisorische Isoliereinheiten einzurichten.

Wie schätzen Experten und Politiker die Lage ein?

Das Robert-Koch-Institut (RKI) hat die Bewertung des neuen Coronavirus für die Gesundheit der Bevölkerung in Deutschland leicht heraufgesetzt. Die Risikoeinschätzung sei auf „mäßig“ gestellt worden, sagte RKI-Präsident Lothar Wieler am Montag in Berlin. Bisher wurde sie als „gering bis mäßig“ eingestuft. Wieler bekräftigte, die Lage sei weiterhin sehr dynamisch und müsse wirklich jeden Tag neu bewertet werden.

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Der Virologe Christian Drosten von der Berliner Charité geht davon aus, dass die Fallzahl in Deutschland noch stark ansteigen wird. „Es werden sich wahrscheinlich 60 bis 70 Prozent infizieren, aber wir wissen nicht, in welcher Zeit“, sagte er am Freitag. „Das kann durchaus zwei Jahre dauern oder sogar noch länger.“

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn bezeichnete nicht mehr verfügbare Schutzausrüstung etwa für Ärzte als „großes Thema“ – weil Länder, Krankenhäuser und auch Privatpersonen auf der ganzen Welt auf Vorrat kauften, sagte der CDU-Politiker WELT AM SONNTAG. In einigen deutschen Supermärkten kam es zu Hamsterkäufen – dafür sieht Spahn keinen Grund. An bestimmten Stellen werde der Alltag zwar „eingeschränkt werden müssen“, sagt der CDU-Politiker im SWR laut dessen Mitteilung.

„Aber es besteht kein Anlass, davon auszugehen, dass die Lebensmittel knapp werden.“ Er fügt hinzu, sinnvoll sei, dass Schüler und Lehrer zu Hause blieben, die ihre Ferien in einem Risikogebiet verbracht hätten. Das mache Sinn, weil derzeit im Süden Deutschlands viele Menschen aus Italien zurückkämen. Es müsse alles getan werden, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen.

Seehofer sieht „die Lage deutlich verschärft“. Er betonte, die Regierung werde alles „Menschenmögliche“ zum Schutz der Bevölkerung tun. Eine Garantie dafür gebe es aber nicht.

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Corona-Epidemie

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier rechnet wegen der Ausbreitung des Virus nicht mit umfassenden und großflächigen Lieferengpässen für die deutsche Wirtschaft. Allerdings könnte es sich auf die Produktion negativ auswirken, wenn Vorleistungsgüter mit Verspätung geliefert würden. Zudem könnten deutsche Exporte nach China an Schwung verlieren, wenn es in der Volksrepublik zu einer Wachstumsverlangsamung komme.

Der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, sagte in den ARD-„Tagesthemen“, das Gesundheitssystem sei aktuell gut ausgerüstet und aufgestellt. Deutschland habe weltweit mit die höchste Dichte an Krankenhäusern und Klinikbetten bezogen auf die Bevölkerungszahl. Zudem sei schon vor zwei Jahren die große Influenza-Welle gemeistert worden.

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In chinesischen Häfen stockt die Beladung von Containerschiffen. Kranführer und Hafenarbeiter fehlen. Zudem wurde in den dortigen Fabriken kaum noch produziert. Die globalen Märkte reagieren immer fiebriger auf die Entwicklungen.

Quelle: WELT

Source: welt.de

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