Corona-Talk bei Anne Will (ARD): Laschet fordert Lockerungen und attackiert Virologen – „Jetzt sehe ich schon …“ | Politik – merkur.de

Das Coronavirus beschäftigt Deutschland. Inzwischen werden die Forderungen nach Lockerung der Maßnahmen immer lauter. Dies ist Thema beim Polit-Talk von Anne Will am Sonntagabend.

  • Beim TV-Talk von Anne Will in der ARD geht es am Sonntagabend um die strikten Maßnahmen in der Corona-Krise
  • Zu Gast sind dieses Mal unter anderem Armin Laschet (CDU), Annalena Baerbock (Grüne), Christian Lindner (FDP) und Karl Lauterbach (SPD)
  • Die Positionen um mögliche Lockerungen der Corona-Maßnahmen sind bereits vor dem Talk klar

Update 22.11 Uhr: NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) und SPD-Politiker Karl Lauterbach liefern sich bei „Anne Will“ einen Showdown. Die Empfehlungen der Virologen zu den entscheidenden Faktoren für die Corona-Maßnahmen änderten sich ständig, kritisiert Laschet. Das führe auch zu Verunsicherung in der Bevölkerung. „Ursprünglich war das Ziel: Wir müssen Bergamo verhindern“, blickt Laschet zurück. „Dafür haben wir Intensiv-Kapazitäten verdoppelt und das ganze Land runtergefahren.“ Das scheine gut funktioniert zu haben. 

Dann sollte der Zeitraum der Verdopplungszahl  ausschlaggebend sein. „Erst war sie bei zehn, dann bei zehn bis 14 Tagen – in NRW haben wir nun 22 erreicht“, so Laschet. Doch nun sei plötzlich der sogenannte R-Faktor zur Reproduktionszahl entscheidend. 

Der indirekte Vorwurf, die deutschen Wissenschaftler änderten ständig ihre Vorgaben, ist für Karl Lauterbach offenbar kaum erträglich. Er beugt sich auf seinem Stuhl nach vorn, schüttelt mit dem Kopf und versucht Laschet zu unterbrechen. Doch der NRW-Ministerpräsident hat sich in Rage geredet: „Und jetzt sehe ich schon den nächsten Faktor“, sagt er empört. Denn jüngst sei nun von dem Ziel von wenigen Hundert Neuinfektionen pro Tag die Rede gewesen. Die Virologen müssten auch mal eindeutige Aussagen treffen, so Laschet.

Da kann Lauterbach nur widersprechen. Die Kriterien seien unterschiedliche Werte, die alle das gleiche Ziel anstrebten. „Wir hatten das Glück, dass wir nicht die ersten warten“, so Lauterbach. Aber es sei von vornherein klar gewesen, dass nach dem Abwenden der Katastrophe die Aufgabe darin liege, eine zweite Welle zu verhindern. Denn solange es keine Immunität gebe, könne man eine solche nicht verhindern. „Eine zweite Welle muss in Deutschland unbedingt verhindert werden“, so der Epidemiologe. Denn bei einer solchen könnten die Infektionsherde nicht mehr nachvollzogen werden. 

Corona-Lockdown Thema bei „Anne Will“ (ARD): Lindner will „andere Strategie wagen“

Update 22.05 Uhr: „Traut Angela Merkel den Bürgern zu wenig zu“, fragt Anne Will Christina Berndt, Wissenschaftsredakteurin der Süddeutschen Zeitung. Berndt stellt sich hinter die Kanzlerin und wertet die Öffnungen in einigen Bundesländern zu „forsch“. Deutschland sei Spitzenreiter in der Coronavirus-Pandemie, diesen Vorsprung sollte man nicht verspielen.

Update 22.01 Uhr: FDP-Chef Christian Lindner macht deutlich, dass er die Krisenstrategie, wie sie zu Beginn der Krise eingeleitet wurde, nicht mehr überzeugt sei. „Weil ich glaube, dass das Land jetzt in einer anderen Verfassung ist.“ Das Gesundheitswesen sei gestärkt worden, die Bevölkerung gehe verantwortungsvoll mit der Situation um und der Mangel an Schutzausrüstung würde behoben. „Deshalb glaube ich, können wir eine andere Strategie wagen.“

Auch Lindner bezieht sich dabei auf die Helmholtz-Wissenschaftler in Braunschweig. Jedoch auf eine andere Empfehlung. Entscheidend sei demnach nur die Frage: „Gibt es ein Hygiene-Konzept?“ Man solle sich nicht an einzelnen Spaten orientieren. „Wird Abstand gehalten, gibt es Masken – nur das ist entscheidend“, so Lindner. 

ARD-Talk „Anne Will“ zur Corona-Krise: Lauterbach – „Ich hätte nie die Schulen schon geöffnet“

Update 21.54 Uhr: Man sehe, dass die Sterblichkeit von Covid-19-Patienten steige, macht Karl Lauterbach (SPD) deutlich, dass er mit Laschet nicht übereinstimmt. „Die größte Bedrohung ist nach wie vor der Tod durch diese Krankheit.“ Mit Intensivbetten könne lediglich das Schlimmste verhindert werden. Aber selbst von jenen, die beatmet würden, „sterben 60 Prozent“ an den Folgen der Virusinfektion, so Lauterbach. In den USA liege die Todesrate bei Beatmungspatienten sogar bei 80 Prozent.

Bisher habe man noch nichts gewonnen. In Deutschland seien lediglich ein bis zwei Prozent bisher infiziert gewesen. Dem massiven Großteil der Bevölkerung stehe eine Infektion also noch bevor. „Ich hätte nie die Schulen schon geöffnet“, sagt Epidemiologe und bezieht sich auf die Helmholtz-Studie. Und Lauterbach legt noch einen drauf: „Ich hätte noch gar nicht geöffnet.“

Update 21.53 Uhr: Es geht um Leben und Tod. Darin sind sich ARD-Moderatorin Anne Will und NRW-Ministerpräsident Armin Laschet einig. Laschet gilt als starker Vertreter eines ganzheitlichen Lockerungsansatzes. „Ich plädiere seit Wochen dafür: Man muss abwägen“, sagt Laschet. Man müsse die einschneidenden Folgen der Corona-Maßnahmen für Kinder beachten – und die gravierenden wirtschaftlichen Folgen, die eine massive Arbeitslosigkeit nach sich ziehen. „Und gleichzeitig stehen 40 Prozent – bei uns in Nordrhein-Westfalen, Stand heute Nachmittag – der Intensivmedizinischen Plätze frei.“ Man müsse zumindest mal darüber sprechen, dass diese Krise am stärksten die schwächsten in der Bevölkerung treffe, so Laschet.

Corona-Talk bei Anne Will: Fordert Laschet wieder „forsch“ mehr Corona-Lockerungen?

Ursprungsartikel vom 26. April 2020:

Berlin – Die Coronavirus-Pandemie* wird auch bei Anne Will im Polit-Talk das beherrschende Thema sein. „Sorge vor zweiter Infektionswelle* – lockert Deutschland die Corona-Maßnahmen ‚zu forsch‘?“ lautet der Titel des Talks am Sonntag um 21.45 Uhr, der im Ersten ausgestrahlt wird.

Seit der vergangenen Wochen wurden die Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus* etwas gelockert. Doch für manche Wirtschaftsvertreter oder auch Ministerpräsidenten waren diese Lockerungen nicht weit genug. Kurz darauf gab es den Rüffel der Kanzlerin

Man solle nicht „zu forsch“ die Maßnahmen der Bundesregierung anpassen, kritisierte Angela Merkel. Die Gefahr einer zweiten Infektionswelle bestehe und diese könne noch schlimmer werden. Über diese Thematik werden dann am Sonntagabend in der ARD hochrangige Politiker diskutieren. 

Corona-Talk bei „Anne Will“ (ARD): Fordert Laschet wieder „forsch“ mehr Corona-Lockerungen?

Mit Armin Laschet (CDU), dem Ministerpräsidenten von Nordrhein-Westfalen, ist dabei einer der wichtigsten Protagonisten in der Lockerungs-Diskussion* zu Gast. Darüber hinaus wird Anne Will mit Annalena Baerbock (Bündnis 90/Die Grünen und Christian Lindner (FDP) auch zwei Parteivorsitzende begrüßen. 

Zudem wird Karl Lauterbach (SPD), Gesundheitsökonom und Epidemiologe, im Studio sein und seine Meinung vertreten. Das Quintett beim Polit-Talk von Anne Will am Sonntagabend in der ARD vervollständigt Christina Berndt, Biochemikerin und Wissenschaftsredakteurin bei der Süddeutschen Zeitung

Kürzlich war auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder zugeschaltet, der von der „einzigen Möglichkeit“ sprach. Eine Ärztin, die bei Anne Will zu Gast war, befürchtete den „Kollaps in wenigen Wochen“.

Ab Montag herrscht bundesweit die Maskenpflicht*. Was Sie dabei bedenken müssen, das erfahren Sie in diesem Artikel. Darüber hinaus könnte der Sommer-Urlaub in diesem Jahr wegen der Coronavirus-Pandemie ins Wasser fallen. 

smk

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Rubriklistenbild: © Screenshot ARD

Source: merkur.de

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