Corona-Ausbrüche in Deutschland: Reproduktionszahl macht riesigen Sprung – Lage in Hochhaus brodelt – merkur.de

Angespannte Corona-Lage in Deutschland: Die Zahl der Neuinfektionen steigt, der R-Wert geht rasant in die Höhe. Corona-Hotspots stehen unter strikter Quarantäne. Alle Infos im News-Ticker.

  • Die Corona-Fallzahlen in Deutschland steigen wieder. Der R-Wert ist über zwei gestiegen.
  • Hotspots in Berlin, Göttingen und Gütersloh haben großen Einfluss auf die Werte der gesamten Republik.
  • In Göttingen ist es bei einem unter Corona-Quarantäne stehenden Gebäudekomplex zu Randalen gekommen (siehe Update vom 21. Juni, 9.34 Uhr).
  • Hier finden Sie die grundlegenden Fakten zum Coronavirus* sowie die aktuellen Fallzahlen in Deutschland als Karte*. Derzeit gelten zudem folgende Empfehlungen zu Corona-Schutzmaßnahmen*. Alle Infos zum Thema gibt es auch auf unserer Facebook-Seite Corona-News

Update vom 22. Juni, 21.50 Uhr: Infolge mehrerer Ausbrüche des Coronavirus in einzelnen Regionen Deutschlands hat sich die für die Ausbreitung wichtige Reproduktionszahl (R-Wert) zuletzt deutlich erhöht. Nachdem sie am Sonntag auf 2,88 angestiegen war, sank der Wert mit Datenstand 22.6. 0.00 Uhr allerdings wieder etwas – auf 2,76. Das bedeutet, dass ein Infizierter im Mittel zwischen zwei und drei weitere Menschen ansteckt. Der Anstieg hänge mit lokalen Häufungen zusammen, wobei insbesondere der Ausbruch in Nordrhein-Westfalen eine große Rolle spiele, wie das RKI in seinem Lagebericht mitteilte.

„Da die Fallzahlen in Deutschland insgesamt auf niedrigem Niveau liegen, beeinflussen diese lokalen Ausbrüche den Wert der Reproduktionszahl relativ stark“, heißt es darin weiter. In den vier Stadt- und Landkreisen Gütersloh, Warendorf, Magdeburg und Berlin-Neukölln sind demnach in den vergangenen sieben Tagen merklich viele Sars-CoV-2 Fälle registriert worden. Dabei führt das RKI die Fälle in den NRW-Landkreisen Gütersloh und Warendorf auf den Ausbruch in dem fleischverarbeitenden Betrieb Tönnies zurück.

Corona-Ausbrüche in Deutschland: Reproduktionszahl macht riesigen Sprung

Update vom 22. Juni, 15.57 Uhr: Der Corona-Ausbruch beim Fleischriesen Tönnies (NRW) macht der Bundesregierung Sorgen. Es handele sich um einen „massiven Ausbruch“, der sehr ernst zu nehmen sei, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Für die Region bestehe ein hohes Infektionsrisiko. Es sei nun alles zu tun, um diesen Ausbruch einzudämmen. Im Kreis Gütersloh wurden auf 100.000 Einwohner 243 Neuinfektionen in den vergangenen Tagen erfasst. Über 1300 Tönnies-Mitarbeiter psotiv auf das Coronavirus getestet. Ergebnisse von Proben stehen noch aus.

Die Reproduktionszahl – der R-Wert- ist auf 2,88 gestiegen, teilte das Robert-Koch-Insitut (RKI) mit. Das 7-Tage-R schätzt das RKI auf 2.03. Der Ausbruch in NRW spiele eine große Rolle, schreibt das RKI in seinem Lagebericht. Das RKI weist daraufhin, dass die Fallzahlen in Deutschland insgesamt auf niedrigem Niveau liegen. Lokale Ausbrüche beeinflussten den Wert der Reproduktionszahl relativ stark, hieß es. Die Entwicklung in den nächsten Tagen müsse beobachtet werden.

Coronavirus in Deutschland: Festnahme nach Hochhaus-Krawallen gegen Quarantäne 

Update vom 22. Juni, 9.34 Uhr: Bei einem Wohnkomplex in Göttingen ist es am Wochenende die Lage eskaliert. 700 Bewohner stehen dort unter Quarantäne. Dann flogen Flaschen, Steine, Metallstangen und Haushaltsgegenstände und acht Einsatzkräfte wurden nach Polizeiangaben verletzt.

Nun hat es eine Festnahme gegeben, berichtet ndr.de. Am frühen Sonntagabend sei ein Tatverdächtiger auf dem Gelände wiedererkannt und festgenommen worden. Der Mann wurde nach Feststellung seiner Personalien auf der Dienststelle wieder entlassen. Weitere Angaben habe die Polizei nicht gemacht. Bei den Krawallen am Samstagabend hatten laut Polizei zeitweise bis zu 100 Bewohner versucht die Quarantäne-Absperrung zu durchbrechen und dabei Polizisten attackiert.

Corona in Deutschland: RKI meldet 6174 aktive Corona-Fälle

Update vom 22. Juni, 7.25 Uhr: Binnen eines Tages haben die lokalen Behörden demRobert-Koch-Institut (RKI) 537 Corona-Infektionen gemeldet. Seit Beginn der Corona-Krise haben sich damit 190.359 Menschen in Deutschland nachweislich mit dem Erreger Sars-CoV-2 angesteckt, meldete das RKI am frühen Montagmorgen (Datenstand 22. Juni, 0 Uhr). 

Coronavirus in Deutschland: R-Wert steigt auf 2,88

Laut RKI-Angaben starben außerdem bisher 8885 mit dem Virus infizierte Menschen in der Bundesrepublik. Dabei handelt es sich um drei Personen mehr als am Vortag. Rund 175.300 Menschen haben die Infektion nach RKI-Schätzungen überstanden. Das sind 400 mehr als noch einen Tag zuvor. In Deutschland sind demnach 6174 Corona-Fälle aktiv.

Die Reproduktionszahl, kurz R-Wert, stieg laut den aktuellsten Zahlen stark an. Laut RKI-Schätzungen lag der R-Wert mit Datenstand Sonntag, 21. Juni (0 Uhr), auf 2,88 wohingegen der R-Wert am Vortag noch bei 1,79 lag. Der aktuelle R-Wert sagt aus, dass ein Infizierter derzeit im Mittel zwischen zwei und drei weitere Menschen ansteckt. Zu beachten ist, dass der R-Wert jeweils das Infektionsgeschehen etwa eineinhalb Wochen zuvor abbildet. Das RKI erläuterte, dass der R-Wert auf kurzfristige Änderungen der Fallzahlen, verursacht etwa durch einzelne Ausbrüche, empfindlich reagiere. Dies könne insbesondere bei einer insgesamt kleinen Anzahl von Neuerkrankungen zu verhältnismäßig hohen Schwankungen führen.  

Coronavirus in Deutschland: Auch 7-Tage-R steigt deutlich über kritische Marke

Seit Mitte Mai vermeldet das RKI außerdem ein sogenanntes Sieben-Tage-R. Weil es sich auf einen längeren Zeitraum bezieht, unterliegt es weniger tagesaktuellen Schwankungen. Das 7-Tage-R stieg nach RKI-Schätzungen mit Datenstand 21. Juni (0 Uhr) auf 2,03. Am Vortag lag es bei 1,55. Dieser Wert zeigt das Infektionsgeschehen von vor acht bis 16 Tagen. 

Damit liegen nun sowohl der tagesaktuelle R-Wert als auch das 7-Tage-R deutlich über der kritischen Marke 1, die nicht überschritten werden sollte, um so das Coronavirus einzudämmen. Ob Politiker aus den steigenden R-Werten Konsequenzen ziehen, bleibt abzuwarten. 

Trotz Corona: Berlin soll seit März 500-Mann-Partys feiern 

Update vom 21. Juni, 17.09 Uhr: Der Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb) berichtet von Partys im Berliner Stadtteil Neukölln –  mit bis zu 500 Gästen. Nach Corona-Auflagen illegal also. Ein hauseigener Reporter hatte sich nach Angaben des Senders unerkannt unter die Feiernden gemischt. Erst Anfang des Monats erregten Schlauchbootparties trotz Corona auf dem Berliner Landwehrkanal Aufsehen.

„Aber wie siehst Du das hier mit den Abständen?“, fragt der rbb-Reporter einen Gast in einem Raum, oder offenbar ein Kellergewölbe ist. „Corona ist in der Hasenheide schon seit März kein Ding“, lautet die Antwort, begleitet von einem Lacher. Die Hasenheide ist ein Straßenzug in Neukölln. „Und wie lange gibt es diese Partys hier schon?“ ist die Nachfrage. „Das hat sich jetzt immer mehr entwickelt… aber dass es jetzt so extrem ist, das habe ich bislang nicht gesehen.“ Auf den Videoaufnahmen ist zu erahnen, wie Menschen eng beieinander tanzen, Masken sind keine zu erkennen.

Corona-Infektionsgeschehen in Deutschland geprägt von lokalen Ausbrüchen

Update von 15.24 Uhr: Das Corona-Infektionsgeschehen in Deutschland bestimmen weiterhin lokale Virus-Ausbrüche. Nach dem Corona-Ausbruch in der Fleischfabrik Tönnies im Kreis Gütersloh (NRW) sind bisher 1.331 Menschen positiv auf Covid-19 getestet worden, teilen die Behörden mit. Noch stehen die Ergebnisse von 200 Proben aus. Nach Angaben der Robert-Koch-Insituts (RKI) gibt es zudem größere Ausbrüche in Berlin und Hessen. In den meisten Bundesländern ist Zahl der Neuinfektionen weiterhin gering. 

Pressekonferenz zur Corona-Lage in Göttingen: Einsatzkräfte wurden mit Gegenständen beworfen

Update von 14.22 Uhr: Der Einsatzleiter Rainer Nolte äußerte sich anschließend ebenfalls zu der Eskalation. „Letztlich ist es nicht zu einem Ausbruch aus der Quarantäne gekommen“, so sein Fazit. Der Oberbürgermeister habe vor Ort etwas vermitteln können, die Lage habe sich nach und nach beruhigt. „Auch die Nacht ist ruhig verlaufen“, heute habe es ebenfalls keine vergleichbare Eskalation gegeben.

Update von 14.16 Uhr: Der Polizeipräsident kam auf der Pressekonferenz ebenfalls zu Wort. Uwe Lührig. Bis gestern habe es im Bereich des Gebäudekomplexes vereinzelte Einsätze gegeben. Es gab beispielsweise Unmutsäußerungen und Beleidigungen, angeführt von einem Rädelsführer, der schließlich in Gewahrsam kam. „Gestern Nachmittag eskalierte die Lage allerdings erneut.“ In der Spitze waren rund 300 Polizeikräfte im Einsatz. „Bei den gestrigen Ausschreitungen wurden acht Polizeibeamtinnen und -beamte verletzt“, resümierte Lührig. Einsatzkräfte wurden mit Flaschen, Steinen, Holzlatten und Pyrotechnik beworfen. Die Polizisten ergriffen Maßnahmen. „Der Polizeieinsatz war in dieser Form absolut gerechtfertigt“, so der Polizeipräsident, auch wenn – wie er auch sagte – im Internet anderes zu lesen war.

Corona-Eskalation in Göttingen: Bürgermeister sprach mit zwei Personen aus Hochhaus

Update von 14.10 Uhr: Köhler sprach auch über die Situation am Tag des Zwischenfalls. Es habe keine Hektik geherrscht. Viele Bewohner hätten aber Fragen: Viele wissen nicht, „warum wir das machen“, so Göttingens Bürgermeister über die Corona-Maßnahmen. Die Menschen wollen Sicherheiten, „was mit ihnen in den nächsten Tagen passiert“. Der Bürgermeister selbst war gegen 16 Uhr auf der Straßenseite gegenüber, den Beginn der Demonstration habe er nicht mitbekommen. 

Er habe aber gesehen, wie Dinge geworfen wurden und wie versucht wurde, die vordere Absperrung zu durchbrechen. Gegen 16.30 Uhr bekam er dann von der Polizei die Nachricht, dass man zwei Personen gefunden habe, die bereit waren mit ihm zu sprechen. Der Bürgermeister sprach anschließend mit den zwei Personen und erklärte ihnen, was man in den kommenden Tagen mit den Bewohnern vorhabe: Wer zwei Mal negativ getestet wird, darf die Quarantäne verlassen.

Aus den Demonstranten heraus kamen Aufrufe, dass sich die Menschen aus der Wohnanlage bewegen. Dies habe in den Augen von Köhler die Lage zumindest verschärft. „500 Menschen haben sich den Quarantäne-Anordnungen nicht widersetzt“, stellt der Bürgermeister aber klar. Die Menschen möchten aber Antworten.

Coronavirus: Göttingen spricht von neuer Dimension der Pandemie

Update von 14.02 Uhr: In Göttingen gibt es eine Pressekonferenz zur Corona-Lage. „Die Corona-Pandemie hat eine soziale Dimension erreicht“, so Göttingens Bürgermeister Rolf-Georg Köhler. Der Rathauschef teilt zu Beginn gegen die Eigentümer solcher Wohnhauskomplexe wie in Göttingen aus, dort stehe Profit ganz weit oben. 

In dem Hochhaus war es zuvor zu einem Zwischenfall gekommen (s.u. Update vom 20. Juni, 18.57 Uhr). Zur Entwicklung der Pandemie in dem Wohnkomplex sagte Köhler: Ohne Quarantäne-Verfügung habe man nicht sicherstellen können, an diesem Standort die Infektionsketten zu brechen. Er fügte hinzu: „Ich kann nicht ausschließen, dass dort auch nicht gemeldete Personen sind“.

Coronavirus in Deutschland: Nach Randale – Polizei informiert über Lage in Göttingen 

Update vom 21. Juni, 10.49 Uhr: In Göttingen (Niedersachsen) hat sich die Lage beruhigt. An einem unter Quarantäne stehenden Hochhaus ist es am Samstag zu einem Zwischenfall gekommen (s.u. Update vom 20. Juni, 18.57 Uhr). Die Polizeibeamten seien am Samstagnachmittag mit Gegenständen beworfen worden, sagte eine Polizeisprecherin am Sonntag in Göttingen. Weitere Einzelheiten wollten die Polizei und die Stadt Göttingen auf einer Pressekonferenz am Nachmittag bekannt geben. Die Quarantäne für den Gebäudekomplex gilt zunächst bis einschließlich nächsten Donnerstag (25. Juni). 

Coronavirus in Göttingen: Ein gesamter Wohnkomplex in der Innenstadt steht unter Quarantäne.

© dpa / Swen Pförtner

  

Corona in Deutschland: RKI meldet 687 Corona-Infektionen

Update vom 21. Juni, 8.09 Uhr: In den vergangenen 24 Stunden haben die Gesundheitsämter 687 Corona-Infektionen an das Robert-Koch-Institut (RKI) und einen Todesfall in Verbindung mit Covid-19 korrigiert.  (Datenstand: 21. Juni; 0 Uhr). 

Damit haben sich seit Beginn der Corona-Pandemie 189.822 Menschen in Deutschland nachweislich mit Sars-CoV-2 angesteckt, davon starben 8.882. Das RKI schätzt 174.900 als genesen, damit sind 6.040 Corona-Fälle in Deutschland aktiv.   

Coronavirus in Deutschland: R-Wert steigt fast auf 2

Update vom 20. Juni, 20.25 Uhr: Der R-Wert reagiert empfindlich auf die jüngsten Corona-Ausbrüche*. Obwohl sie lokal auftreten, beeinflussen Vorfälle wie in Gütersloh, Göttingen oder Berlin den gesamtdeutschen Wert maßgeblich. Steigende Infektionszahlen könne man damit zwar nicht erklären, doch ist der Einfluss der einzelnen Ausbrüche auf den R-Wert nicht zu unterschätzen, erläutert das Robert-Koch-Institut

In Deutschland steht er aktuell bei 1,79 (Datenstand: 20. Juni, 0 Uhr). Sobald die Zahlen 1,0 überschreiten, ist Vorsicht geboten. Denn das bedeutet, dass sich das Virus weiter verbreitet. Jetzt tendiert er gegen zwei, was bedeuten würde, dass jeder Kranke, zwei gesunde Personen ansteckt. Eine exponentielle Verbreitung würde dafür sorgen, dass das Virus schnell wieder massiv um sich greife. Glücklicherweise haben wir in unsere Beispielrechnung aber auf- und nicht abgerundet. 

In Anbetracht der aktiven Corona-Hotspots kann man erwarten, dass der R-Wert bald wieder sinken dürfte. Er beschreibt schließlich das Infektionsgeschehen von vor einer oder sogar zwei Wochen. Die 7-Tage-Schätzung des RKI liegt ebenfalls darunter, bei 1,55. Sollten sich neue Vorfälle ereignen, wird sich die Zahl aber selbstverständlich nicht bessern.

Coronavirus in Deutschland: Lage in Quarantäne-Hochhaus eskaliert – Bewohner verlieren die Nerven – Polizisten verletzt

Update vom 20. Juni, 18.57 Uhr: In Göttingen stehen 700 Bewohner eines großen Wohnkomplexes unter Quarantäne. Seit Donnerstag sind sie vollständig abgeschottet. Niemand darf das Gebäude verlassen. Knapp 120 der dort teils unter prekären Umständen lebenden Menschen wurden nach Angaben der Stadt positiv auf das Coronavirus getestet.

Am Samstagnachmittag haben einige von ihnen dann wohl die Nerven verloren. Die Quarantänemaßnahmen waren offenbar zwischenzeitlich einfach zu viel für sie. Mehrere Bewohner hätten versucht, vom Gelände zu kommen, berichtet die Deutsche Presse-Agentur mit Verweis auf Angaben der Polizei. Die aufgebrachten Bewohner sollen versucht haben, die von den Behörden aufgestellten Zäune zu überwinden.

Der Missmut richtete sich dann aber auch gegen die Polizeibeamten. Aus dem Gebäude heraus sollen Gegenstände auf sie geworfen worden sein. Mehrere Polizisten wurden verletzt.  

Zur gleichen Zeit fand in der unmittelbaren Umgebung des Hochhauses eine große Demonstration gegen steigende Mieten statt. Eigentlich war sie an einem anderen Ort angemeldet, wurde aber kurzfristig dorthin verlegt. Am frühen Abend habe sich die Stimmung rund um den Quarantäne-Komplex wieder beruhigt, berichten Polizei sowie Augenzeugen. Bürgermeister Rolf-Georg Köhler (SPD) war zwischenzeitlich hinzugestoßen und hatte das Gespräch mit den Bewohnern gesucht.

Polizeieinsatz vor einem Hochhaus in Göttingen.

© picture alliance/dpa / Swen Pförtner

Coronavirus in Deutschland: Mehrere neue Hotspots alarmieren – R-Wert übersteigt wichtige Grenze

Erstmeldung vom 20. Juni, 16.06 Uhr: München – Seit Monaten bestimmt die Coronavirus-Pandemie das Leben in Deutschland und fast überall auf der Welt*. Die Lage scheint sich nach und nach zu entspannen, doch Rückschläge bleiben leider nicht aus. Die großen Corona-Ausbrüche rund um die Fabrik von Wurst-Produzent Clemens Tönnies sowie in einer Kasseler Flüchtlingsunterkunft, einem Gebäudekomplex in Göttingen und in mehreren Berliner Wohnblöcken sorgen für alarmierende Zahlen. Derlei lokale Häufungen beeinflussen den R-Wert stark. Eine Erklärung für den generellen Anstieg der Fallzahlen sind sie allerdings nicht, mahnt das RKI.

Coronavirus in Deutschland: Fallzahlen steigen – mehr Menschen stecken sich an 

Der R-Wert in Deutschland* stieg zwischenzeitlich auf 1,06. Ein Wert über eins bedeutet, dass sich das Coronavirus* ausbreitet. Der 7-Tage-R-Wert liegt sogar bei 1,17. Die Behörden haben 601 Neuerkrankungen im Vergleich zum Vortag festgestellt. Stand 20. Juli wurden in Deutschland insgesamt mittlerweile 189.135 Menschen positiv auf Sars-CoV-2 getestet. Gestorben sind nach einer Erkrankung, Angaben des Robert-Koch-Instituts zufolge, 8.883 Personen.

Corona-Hotspots in Deutschland – große Ausbrüche in Berlin, NRW und Hessen

Die Zunahme der Fallzahlen* erklären sich auch mit den drei genannten Hotspots, die Corona-Lage ist nicht allerorts so gespannt. In Bayern* scheint sich mittlerweile sogar etwas Erleichterung breit zu machen. Im Berliner Stadtteil Neukölln befinden sich aber etwa 370 Haushalte unter Quarantäne. Auf die allgemeinen Lockerungen* war hier prompt ein großer Ausbruch stattgefunden. Der dortige Bezirksbürgemeister beklagte einen Nachlass der Disziplin, die Corona-Regeln einzuhalten

Die Entwicklungen im Tönnies-Werk im Kreis Gütersloh führten dazu, dass Schulen und Kitas geschlossen wurden. Einen flächendeckenden Lockdown der Region* schließt die Landesregierung nicht mehr aus. Noch am Sonntag will sich das zuständige Kabinett in einer Sondersitzung beraten und die Lage neu bewerten. 

In Kassel wurden bereits am Donnerstag 20 Fälle in nur einem Wohnhaus bekannt. Dabei handelt es sich um eine Flüchtlingsunterkunft. Die Bewohner leben auf sehr engem Raum und so konnte sich das Virus dort schnell ausbreiten*. Das RKI hatte bereits zuvor gemahnt, die Lebensumstände Geflüchteter seien gerade zu Zeiten von Corona so kaum tragbar. Alle Bewohner bleiben nun zwei Wochen lang in Quarantäne.

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Rubriklistenbild: © dpa / Swen Pförtner

Source: merkur.de

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