Bundesgerichtshof: Entscheidung über transparente Online-Bewertungen – tagesschau.de

Dürfen Bewertungsportale automatisch Bewertungen filtern, wenn laut Algorithmus Verdacht auf eine Fälschung besteht? Darüber entscheidet der Bundesgerichtshof. Geklagt hatte eine Fitnessstudio-Betreiberin.

Von Klaus Hempel, ARD-Rechtsredaktion

Geklagt hatte die ehemalige Weltmeisterin im Bodybuilding, Renate Holland. Sie betreibt im Raum München mehrere Fitnessstudios und findet, dass sie vom Bewertungsportal Yelp unfair benotet wurde. Bei Yelp können Nutzer bis zu fünf Sterne vergeben. Ein Stern bedeutet “Boah, das geht ja mal gar nicht”. Fünf Sterne bedeuten “Wow! Besser geht’s nicht”. Die Fitnessstudios der Klägerin schnitten vergleichsweise schlecht ab. Als Gesamtbewertung gab es nur zwei oder drei Sterne. Grundlage dafür waren nur sehr wenige Einzelbewertungen.

Die meisten positiven Bewertungen wurden jedoch bei der Gesamtnote nicht mitberücksichtigt. Sie wurden von einer Software automatisch aussortiert. Dieses Vorgehen hält die Studiobetreiberin für geschäftsschädigend und rechtswidrig. “Wenn die guten Bewertungen die schlechten überwiegen, dann kommt ja ein gutes Ergebnis heraus. Und ich finde, das muss das Ergebnis einfach widerspiegeln”, sagt Holland.

Streitfall Algorithmus

Yelp wiederum hält das Bewertungsverfahren für legitim. Es gehe darum, gefälschte Bewertungen herauszufiltern. Deshalb würden Bewertungen, die bestimmte Kriterien nicht erfüllen, aussortiert – mit Hilfe eines Algorithmus, so der Rechtsanwalt des Portals, Stephan Zimprich: “Grundsätzlich wird jede Bewertung veröffentlicht bei Yelp. Es gibt einen Algorithmus, der nach verschiedenen Signalen guckt, ob Yelp die Bewertung für hilfreich und vertrauenswürdig hält – oder ob es Anzeichen für Manipulationen gibt. Je nachdem, wie das Ergebnis ist, wird die betreffende Bewertung dann einbezogen in die Gesamtbewertung – oder als nichtempfohlene dann nicht einbezogen.”

Ob eine Bewertung ins Gesamtergebnis einfließt oder nicht, entscheiden also nicht Mitarbeiter von Yelp. Sondern das läuft automatisiert ab- mit Hilfe eines Algorithmus. Wie dieser im Detail funktioniert, will Yelp nicht preisgeben. Sonst wären manipulierte Bewertungen noch einfacher zu erstellen, argumentiert das Unternehmen.


Urteil von grundsätzlicher Bedeutung

Beim Bundesgerichtshof geht es nun um die Frage: Dürfen Bewertungsportale solche Filter einsetzen, die mit einem Algorithmus arbeiten? Die Vorinstanz, das Oberlandesgericht München, hatte der Studiobetreiberin Recht gegeben. Die automatische Aussortierung von Bewertungen führe zu einer verzerrten Gesamtbewertung. Dies stehe im Widerspruch zum Wesen eines Bewertungsportals, das neutral bleiben müsse. Nun wird der BGH den Rechtsstreit höchstrichterlich klären. Da auch andere Bewertungsportale mit Algorithmen arbeiten, wird das Urteil wird von grundsätzlicher Bedeutung sein.

Aktenzeichen: VI ZR 495/18

Source: tagesschau.de

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