Bundesfamilienministerin: Giffey für Kita-Öffnungen vor dem Hochsommer – DER SPIEGEL

Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) drängt auf eine Öffnung der Kindertagesstätten in Deutschland noch vor dem Hochsommer. Es gehe um das Kindeswohl und den Kinderschutz, betonte sie im Deutschlandfunk. Deshalb solle konsequent überlegt werden, “wie wir zu weiteren Schritten von mehr Normalität kommen können, und nicht erst am 1. August”.

“Das ist ein zu langer Zeitraum für das Kindeswohl, für die Frage, wie können Eltern das managen”, sagte Giffey. Da müsse es schnellere Schritte geben. Das sei auch mit den Familienministern der Länder so vereinbart worden. Konkrete Daten wollte die SPD-Politikerin nicht nennen. Aber es sei wichtig, dass sich alle bemühen, “möglichst zügig flexible Lösungen zu finden”.

Nach aktuellem Stand sollen die Kindertagesstätten noch mindestens bis zum 6. Mai für den regulären Betrieb bundesweit geschlossen bleiben. In dieser Woche gibt es jedoch mehrere Gespräche, ob, wann und wie die Einrichtungen danach wieder geöffnet werden können.

Merkel und Ministerpräsidenten wollen über Kita-Öffnung beraten

Am Montag hatten Giffey und die Familienminister der Länder dazu ein Papier entworfen. Es soll Bundeskanzlerin Angela Merkel und den Ministerpräsidenten vor ihrer nächsten Schalte an diesem Donnerstag vorgelegt werden. Details sind noch nicht bekannt. Es geht unter anderem um konkrete Vorschläge zu Gruppengrößen und Hygieneregeln.

Giffey verwies im Redaktionsnetzwerk Deutschland darauf, dass Dänemark beim Fahrplan zur schrittweisen Kita-Öffnung Vorbild sein könnte. Seit dem 15. April hätten dort Kinderkrippen, Kindergärten und Schulen bis zur 5. Klasse wieder geöffnet, “allerdings mit strikten hygienischen Vorgaben, Abstandsregeln und reduzierten Gruppengrößen”.

Laut dänischer Regierung stelle die Öffnung von Kitas und Schulen die erste vorsichtige Phase der Öffnung des Landes dar, sagte Giffey. “Ich finde diesen Ansatz sehr beachtenswert, weil er das Wohl von noch kleinen Kindern in den Mittelpunkt stellt.” Auch in Deutschland müsse man viel stärker auf die besonderen Bedürfnisse der noch jüngeren Kinder eingehen.

Im Leben eines Kindergartenkindes und für seine Entwicklung bedeute schon ein Monat eine unglaublich lange Zeit, sagte die SPD-Politikerin dem RND. Wenn Kinder über Monate nicht in die Kita gingen, könne dies in ihrer Entwicklung nicht ohne Weiteres aufgeholt werden.

Hamburgs Sozialsenatorin Melanie Leonhard (SPD) hatte zusammen mit Nordrhein-Westfalens Familienminister Joachim Stamp (FDP) im SPIEGEL gewarnt, Kinder dürften nicht zum Kollateralschaden der Corona-Pandemie werden. Stamp kritisierte, das Wohl der Kinder und die herausfordernde Situation der Familien sei in den Beratungen zwischen der Kanzlerin und den Ministerpräsidenten sowie der Wissenschaft bislang zu kurz gekommen.

Hygiene-Experten fordern sofortige Kita-Öffnung

Die Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene (DGKH) verlangte am Dienstag die sofortige Öffnung von Kitas und Grundschulen. “Unter einem Schutzschild sollte es unbedingt wieder losgehen, um die teils untragbaren Situationen für unzählige Familien zu beenden”, sagte DGKH-Vorstandssprecher Peter Walger der “Neuen Osnabrücker Zeitung”.

Die Datenlage rechtfertige eine schrittweise Wiederöffnung von Kitabetreuung und Beschulung, sagte der Infektiologe und Intensivmediziner. Er verwies auf Erkenntnisse aus China, Modellierungen aus London sowie auf die Vorveröffentlichung einer Studie von Schweizer Forschern.

“Die pauschalen Warnungen, Kita- und Schulöffnungen würden zu einem Hochschnellen der Infektionszahlen führen, sind definitiv übertrieben”, sagte Walger. “Das würde nur dann passieren, wenn die Übertragungsrisiken unbeeinflusst blieben.” Wo Testung und Maskenschutz gewährleistet seien, solle “ab sofort” wieder geöffnet werden.

Der Mediziner plädierte für “strenge Hygieneregeln in Verbindung mit klaren Vorgaben der Abstandswahrung, und, wo das nicht möglich ist, mit Maskenpflicht für Lehrer und Betreuer”. Auch muss laut Walger berücksichtigt werden, ob Kinder mit Großeltern oder anderen möglichen Risikopatienten unter einem Dach leben. “Dann müssten sich Letztere besonders schützen – auch daheim Masken tragen, wenn sie ihren Enkeln nahe kommen.”

Icon: Der Spiegel

Source: spiegel.de

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