Brandenburg bereitet Kinder-Notbetreuung vor: 84 Infizierte – WEB.DE News

Potsdam (dpa/bb) – Die geplante Schließung von Schulen und Kitas in Brandenburg für den Großteil der Kinder zur Vorsorge gegen das Coronavirus betrifft Zehntausende berufstätige Eltern in Brandenburg.

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Bei rund 135 000 Kindern zwischen einem und 16 Jahren gehen beide Elternteile oder das alleinerziehende Elternteil Vollzeit arbeiten – das geht aus Daten des Statistischen Bundesamts von 2018 hervor, die die Linke im Bundestag ausgewertet hat und die der dpa vorliegen. Bei rund 72 000 Kindern und Jugendlichen arbeitet mindestens ein Erziehungsberechtigter nicht. Insgesamt leben demnach rund 344 000 Kinder und Jugendliche zwischen einem und 16 Jahren im Land. Inzwischen sind 84 Menschen mit dem Virus infiziert.

Um die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus abzubremsen, werden der reguläre Unterricht in Schulen und die bisherige Kita-Betreuung ab Mittwoch vorerst bis zum Ende der Osterferien am 19. April ausgesetzt. Die Schüler können nach Angaben des Bildungsministeriums schon ab diesem Montag zuhause bleiben, wenn die Eltern dies wollen und die Schule informieren. Kinder gelten auch als entschuldigt, wenn keine schriftliche Entschuldigung vorliegt. Für Schüler soll freiwilliger Unterricht via Internet angeboten werden.

Die Kreise und kreisfreien Städte bereiten eine Notbetreuung vor. Damit der Staat handlungsfähig bleibt, sollen Kinder etwa von Eltern im Gesundheitswesen, in Behörden, bei Polizei und Feuerwehr in Kitas und Horten betreut werden. Die Kommunen sollen festlegen, für wen das gilt. Bei der Kindertagespflege in Brandenburg soll sich nichts ändern. Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) rechnet damit, dass die Ausnahmesituation noch “eine längere Zeit” dauern wird. Er bat die Bürger um Solidarität und Zusammenhalt.

Der Landeselternrat hält das Aussetzen des regulären Unterrichts für sinnvoll, sieht aber den Beginn skeptisch. “Es wäre ja nicht schlimm gewesen zu sagen: Wir machen zu, über das Wochenende machen wir einen Plan und dann steht am Montag die Sache”, sagte der Vorsitzende René Mertens. Nicht betroffen sind Förderschulen für Kinder, die schwerst mehrfach behindert sind oder einen Förderbedarf “geistige Entwicklung” haben.

Die Notbetreuung kann nach Angaben von Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) über kleinere Gruppen in bestehenden Kitas oder mit bestimmten Notfall-Kitas umgesetzt werden. Der Landrat von Oberspreewald-Lausitz, Siegurd Heinze (parteilos), kündigte dafür ein Formular an, das die Kita oder Schule von der Gemeinde oder dem Träger bekommt. Der Berliner Virologe Christian Drosten warnte bei Twitter davor, Kinder in der Notbetreuung neu zu gruppieren. Hierdurch entstünden neue Kontaktnetzwerke. “Die Infektion wird dadurch befeuert.”

Die Zahl infizierter Menschen im Land schnellte innerhalb eines Tages um 23 auf 84 hoch, wie das Gesundheitsministerium am Sonntag mitteilte. Die meisten Infizierten gibt es in Cottbus und im Kreis Märkisch-Oderland mit je 13 Fällen. Noch keine Infektionen haben Brandenburg/Havel und Frankfurt (Oder) sowie die Kreise Ostprignitz-Ruppin, Prignitz und Uckermark gemeldet.

Ein zweijähriges Kind aus Berlin im Ernst-von-Bergmann-Klinikum in Potsdam ist nach Angaben der Klinik auf dem Weg der Genesung. Ein Arzt aus Eberswalde im Kreis Barnim infizierte sich mit dem Virus Sars-CoV-2. Mitarbeiter und Patienten, die mit ihm in den vergangenen Tagen in Kontakt gewesen seien, würden getestet. Landrat Daniel Kurth (SPD) kündige an, dass Veranstaltungen mit mehr als 30 Personen müssten angezeigt werden. Das geht noch über die Vorgaben des Landes hinaus, ab 100 Personen den Kreis einzuschalten.

Veranstaltungen mit über 1000 Teilnehmern sind in Brandenburg verboten, ab 100 Teilnehmer müssen sie den Kommunen gemeldet werden. Immer mehr Einrichtungen machen zu. Das Staatstheater Cottbus sagte alle Veranstaltungen ab, die Gedenkstätte Zuchthaus Cottbus ist geschlossen. Die Finanzämter machen bis 19. April zu, arbeiten aber weiter. Die FDP verschob einen Landesparteitag, der für den 18. April geplant war.

Für Unternehmen, die durch die Corona-Krise in Schwierigkeiten kommen, kündigte Finanzministerin Katrin Lange (SPD) steuerliche Erleichterungen an. Die Freien Wähler im Landtag forderten zur Vermeidung von Panik und von Hamsterkäufen, dass Supermärkte dazu angehalten werden, Waren nur in haushaltsüblichen Mengen abzugeben. 
© dpa

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Obwohl es in Brandenburg an bezahlbaren Wohnungen mangelt, gibt es Leerstände.




Ein Arzt aus Eberswalde hat sich mit dem neuartigen Coronavirus infiziert. Der Mann arbeite im Werner-Forßmann-Klinikum, teilte der Landkreis Barnim am Sonntag mit.

Source: web.de

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