Messerattacke in Paris: Tödlicher Angriff in sieben Minuten – tagesschau.de

33 Kurznachrichten mit religiösem Inhalt vor der Tat, Kontakte zu Salafisten und ein ungewöhnlich brutales Vorgehen: Der Leiter der Anti-Terror-Staatsanwaltschaft hat Details zur Messerattacke auf Polizisten in Paris veröffentlicht.

Von Martin Bohne, ARD-Studio Paris

Der Leiter der französischen Anti-Terror-Staatsanwaltschaft Jean-Francois Ricard hat auf einer Pressekonferenz den Ablauf der Tat in Paris nachgezeichnet. Ein 45-jähriger langjähriger Mitarbeiter der Pariser Polizeidirektion hatte am vergangenen Donnerstag vier Polizisten getötet ehe er von Beamten erschossen wurde.

Laut Ricard hatte Mickael H. die Tatwaffe, ein Messer mit langer Klinge, in der Mittagspause gekauft. Kurz nach seiner Rückkehr in das Gebäude erstach er in mehreren Büros und auf der Treppe insgesamt vier Beamte – zum Teil auf extrem grausame Weise, so der Chefermittler.

“Zwischen dem Beginn des Todeslaufes um 12.53 Uhr und der Neutralisierung des Täters durch einen Polizeibeamten um 13 Uhr vergingen ganze sieben Minuten”, sagte Ricard. Für die Ermittler steht damit außer Frage, dass es sich um eine vorsätzliche Tat gehandelt hat. Die Untersuchung der Mobiltelefone und das Verhör seiner Ehefrau und die Befragung von Nachbarn und Kollegen hätten weitere Ansatzpunkte für einen religiös motivierten Anschlag ergeben.


Kontakte zu Salafisten

Staatsanwalt Ricard nannte insbesondere Kontakte des vor mehr als zehn Jahren zum Islam konvertierten Mickael H. zu mehreren mutmaßlichen Salafisten. Zudem soll er Sympathien für eine radikale Auslegung des Islam gehabt haben. Eine Rechtfertigung des Terrorangriffs auf die Satirezeitschrift Charlie Hebdo im Jahre 2015 und ein verändertes Verhalten gegenüber Frauen seien alles Zeichen für eine fortschreitende Radikalisierung.

Als besonders belastend führte Ricard den Austausch von 33 Kurznachrichten mit der Ehefrau auf. Mickael H. pries darin Allah, Mohammed und den Koran.

“Es ist bemerkenswert”, so Chefermittler Ricard, “dass diese Botschaften, auch wenn sie keinen direkten Hinweis auf die Tat enthalten, nur eine halbe Stunde von dem Kauf der Mordwaffe gesendet wurden.” Nach Kenntnisnahme dieser Details hatte die Anti-Terrorstaatsanwalt die Ermittlungen wegen Mordes im Zusammenhang mit einer terroristischen Vereinigung übernommen.

Brutale Verletzungen

Ricard fasste die Gründe noch einmal zusammen: die Vorsätzlichkeit seines Vorgehens, seine offensichtliche Absicht zu sterben, die brutalen Verletzungen, die er zumindest einem Opfer zufügte, seine Radikalisierung sowie die ausschließlich religiösen Botschaften an seine Frau unmittelbar vor der Tat.

Die Ermittlungen werden fortgesetzt, so Staatsanwalt Ricard. Man wolle versuchen, die Motive und die Persönlichkeit des Täters und die Umstände, unter den die Tat geplant wurde, noch genauer verstehen. Dabei wird es wohl vor allem darum gehen, ob Mickael H. von anderen Personen unterstützt und ermuntert worden ist.

Castaner in der Kritik

Bereits vor Bekanntwerden der Details hatte der Druck auf Innenminister Christophe Castaner zugenommen. Zunächst hieß es in den Medien, das Motiv der Tat könne ein interner Konflikt gewesen sein. Castaner gab in Pressestatements nach der Tat keinen Hinweis darauf, dass der Angreifer sich vor der Tat möglicherweise radikalisiert haben könnte. Erst am Freitagabend hatten die Anti-Terror-Ermittler der Staatsanwaltschaft die Untersuchungen übernommen. Oppositionspolitiker fordern nun einen Untersuchungsausschuss zu der Messerattacke. Es geht um den Vorwurf der Vertuschung.

Source: tagesschau.de

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