Innerparteiliche Kritik: Republikaner gegen Trump – SPIEGEL ONLINE

Handelskrieg, drohende Rezession, Grönland-Farce: Der US-Präsident scheint geschwächt. Mehrere Republikaner denken deshalb über eine Kandidatur gegen Donald Trump bei den parteiinternen Vorwahlen nach. Kann das funktionieren?

Donald Trump: Laut einer Umfrage sind 62 Prozent der Amerikaner mit seiner Arbeit unzufrieden, doch sein Rückhalt unter Anhängern der republikanischen Partei ist weiterhin groß

Donald Trump: Laut einer Umfrage sind 62 Prozent der Amerikaner mit seiner Arbeit unzufrieden, doch sein Rückhalt unter Anhängern der republikanischen Partei ist weiterhin groß

Der frühere Pressesprecher von US-Präsident Donald Trump, Sean Spicer, wird bei “Dancing with the Stars”, einer Tanzshow im US-Fernsehen, auftreten. Diese Nachricht passt zu einer Zeit, in der die amerikanische Politik wie ein großer, verrückter Zirkus wirkt.

Doch vielen Amerikanern ist schon längst nicht mehr zum Lachen zumute: Die von Donald Trump ohne Not angezettelte Grönland-Farce, der Handelsstreit mit China, die neuen Rezessionsängste nähren im Volk die Zweifel, ob dieser Präsident überhaupt noch in der Lage ist, das Land zu führen. Laut einer Umfrage im Auftrag der Nachrichtenagentur AP sind mittlerweile 62 Prozent der Bürger mit Trumps Arbeit unzufrieden.

Gut 14 Monate vor der Präsidentenwahl 2020 beflügelt das anhaltende Durcheinander im Weißen Haus so die oppositionellen Demokraten, zugleich wird aber auch eine Gruppierung zu neuem Leben erweckt, die schon so gut wie tot zu sein schien, es sind die Trump-Gegner innerhalb der republikanischen Partei.

Jeden Tag ein neuer Name

Kaum ein Tag vergeht, ohne dass nicht ein neuer Name eines potenziellen Trump-Herausforderers für die im Februar beginnenden Vorwahlen (Primaries) der Republikaner auftaucht. Es ist eine bunte Mischung aus früheren Hinterbänklern im US-Kongress und mehr oder weniger bekannten Ex-Gouverneuren im fortgeschrittenen Alter.

  • So denkt offenbar der frühere Kongressabgeordnete Joe Walsh, ein konservativer, zur Polemik neigender Radiomoderater, ernsthaft über eine Kandidatur nach. Seine Partei sehne sich nach einer Alternative zu Trump, behauptet Walsh. Und in der “Washington Post” erklärte er: “Jemand muss Trump jeden Tag ins Gesicht schlagen.”
  • Der frühere Gouverneur von Ohio, John Kasich, der Trump bereits bei den letzten Vorwahlen unterlag, soll einen weiteren Anlauf planen. Im kommenden Monat will der eher moderate Kandidat in New Hampshire die Stimmung an der Basis der Partei testen. “Ich schau mir die Sache an”, sagt er.
  • Bill Weld, der frühere Gouverneur von Massachusetts, hat seine Kandidatur bereits erklärt. Jetzt tingelt er durch die diversen Talkshows, in denen er verkündet, er sehe für sich “gute Chancen”, Trump schon bei der frühen Vorwahl in New Hampshire Anfang Februar zu schlagen.
  • Ebenfalls im Gespräch sind der Ex-Senator Jeff Flake aus Arizona, der schon seit Langem als Trump-Gegner gilt, sowie der Ex-Kongressabgeordnete Mark Sanford aus South Carolina. Beide behaupten in Interviews, sie hätten in den vergangenen Tagen viele Anrufe von Großspendern und Funktionären aus der Partei erhalten, die sie dazu drängen würden, anzutreten.
Der frühere Gouverneur von Ohio, John Kasich, zählt seit Jahren zu den Trump-Gegnern

Der frühere Gouverneur von Ohio, John Kasich, zählt seit Jahren zu den Trump-Gegnern

Dazu passt, dass fast zeitgleich der frühere Trump-Unterstützer und Kurzzeit-Kommunikationschef im Weißen Haus, Anthony Scaramucci, einen Privatkrieg gegen den Präsidenten startet. Der Banker, der offenbar immer noch nicht verwunden hat, dass er nach nur elf Tagen von Trump gefeuert wurde, ist regelmäßig in TV-Interviews zu sehen, in denen er zum Sturz des Präsidenten aufruft. “Alle Amerikaner müssen sich zusammentun, um seine zweite Amtszeit zu verhindern.”

Wie sind die Erfolgsaussichten?

Das klingt nach großer Entschlossenheit. Ob die neue Anti-Trump Bewegung erfolgreich sein wird, ist indes eine ganz andere Frage.

Zumindest erscheint es fast unmöglich, Trump die Nominierung für die Kandidatur noch zu nehmen. Denn auch wenn der Präsident in der Breite der Bevölkerung unbeliebt sein mag, so erfreut er sich unter den Anhängern der Republikaner doch weiterhin einer hohen Beliebtheit von 80 Prozent und mehr – und allein auf die Republikaner kommt es an, wenn parteiintern der nächste Präsidentschaftskandidat gekürt wird.

Anthony Scaramucci will Geld für eine Kampagne gegen Trump sammeln

Anthony Scaramucci will Geld für eine Kampagne gegen Trump sammeln

Trump hat zudem im Hintergrund bereits seit Monaten eine professionelle Wahlkampfmaschine aufgebaut, mit der er viele Millionen Dollar Spendengelder eingesammelt hat. Für jeden Herausforderer wäre es praktisch unmöglich, diesen Vorsprung jetzt noch aufzuholen.

Wie ein “Selbstmordkommando”

Gleichwohl könnte Trump eine Gegenkandidatur aus den eigenen Reihen Schaden zufügen. Plötzlich muss er sich die Aufmerksamkeit der Mitglieder mit einem Konkurrenten teilen, es entsteht – zumindest für eine Weile – Unruhe und Zwist in der Partei.

Genau darum geht es wohl auch einigen der potenziellen Gegenkandidaten. Sie wollen bewusst deutlich machen, dass Trump die Republikaner nicht vollständig beherrscht, sondern dass es innerhalb der Partei auch noch andere Stimmen gibt, die Trumps chaotische, nationalistische Politik ablehnen.

Das Ziel ist, Trump für die eigentliche Wahl zu schwächen: Die jüngere Geschichte lehrt, dass alle amtierenden US-Präsidenten, die es in der Vergangenheit mit parteiinternen Herausforderern zu tun hatten, zwar die eigenen Vorwahlen gewinnen konnten, anschließend aber bei der Präsidentenwahl scheiterten. So erging es Gerald Ford, Jimmy Carter und George H. W. Bush.

Diese alte Regel kennt wohl auch Trump. Für seine Verhältnisse ist er mit Blick auf die mögliche Konkurrenz aus den eigenen Reihen deshalb ungewöhnlich still. Er will sie durch Tweets oder sonstige Äußerungen offenbar nicht weiter aufwerten.

Nicht einmal einen seiner berühmt-berüchtigten Spitznamen hat er bislang an einen der Unruhestifter vergeben. Den präsentiert dafür die Zeitschrift “Vanity Fair”. Sie nennt die Gruppe der Trump-Gegner ironisch “Suicide Squad – Selbstmordkommando”.

Go to Google news




Geef een reactie

Het e-mailadres wordt niet gepubliceerd. Vereiste velden zijn gemarkeerd met *