Hass, Häme, Hetze: Warum ist Greta Thunberg so unbeliebt? Psychologe erklärt, woran es liegen könnte – RTL Online

20. August 2019 – 9:36 Uhr

Greta Thunberg – ein Name, dann folgt die Hetze

Greta Thunberg. Allein dieser Name reicht derzeit, um eine Diskussion zu entfachen. Aktuell gibt es wohl kaum jemanden, der in den Medien präsenter und umstrittener ist als die 16-jährige Schwedin. Doch gerade in den Kommentarspalten der sozialen Medien bleibt es nicht bei sachlicher und konstruktiver Kritik an ihrem Vorhaben und an ihrer Person. Der blanke Hass schlägt Greta entgegen. Doch warum ist das so?

Psychologe: “Die suchen die Schwachstellen, um sich selber dann wieder besser zu fühlen“

Im Gespräch mit RTL versucht der Psychologe Dirk Baumeier eine Erklärung zu finden. Viele Menschen fühlten sich durch Greta in ihrem Lebensstil bedroht: “Nun ist es so, dass wenn jemand nach vorne geht und er scheint erstmal eine Reihe von guten Eigenschaften zu verkörpern, dann suchen die Menschen nach Schwächen. Die suchen die Schwachstellen, um sich selber dann wieder besser zu fühlen.” Welche Gründe der Psychologe noch für denkbar hält, erklärt er im Video oben.

Im Video: So tickt die Klimaschützerin Greta Thunberg

Neben Kritik an Greta Thunbergs Vorhaben…

Nimmt man die Kommentare unter einem Beitrag auf der Facebook-Seite von RTL Aktuell genauer unter die Lupe, lässt sich die These des Psychologen durchaus bestätigen. Viele Menschen stört es vor allem, dass Gretas Reise in die USA nicht komplett CO2-neutral ist. Auch die Wahl ihrer Kleidung, das Nicht-Vorhandensein einer Toilette an Bord oder die Tatsache, dass Greta nicht mehr zur Schule geht, wird ihr von vielen Nutzern angekreidet. Es scheint der Eindruck zu entstehen, dass Greta selbst nicht alle Ansprüche erfüllt, die sie an andere stellt.

Screenshot Facebook/RTL Aktuell

Viele User haben den Eindruck, dass Greta selbst nicht die Ansprüche erfüllt, die sie an andere stellt.

© Screenshot Facebook/RTL Aktuell

…stehen Todeswünsche und Hetze

Neben diesen Vorwürfen an Greta steht der blanke Hass.

“Fall nicht zufällig vom Boot”, “Hoffentlich reiert die 2 Wochen lang”, “Auf Nimmerwiedersehen” – eine Auswahl der noch harmlosen Nutzerkommentare unter einem Beitrag zur Abreise von Greta auf der Facebook-Seite von RTL Aktuell. Zeitweise finden sich auch ganz offene Todeswünsche für die Schwedin. Diese werden von RTL gelöscht.

Screenshot Facebook/RTL Aktuell

Die Schwedin treffen auch viele Todes- oder Krankheitswünsche – direkt und indirekt.

© Screenshot Facebook/RTL Aktuell

Die User sind gespalten – doch was sagt die Presse über Greta?

Doch nicht nur unter den Nutzern der sozialen Netzwerke, auch in den Medien ist Greta Thunberg höchst umstritten.

Eine “Öko-Diktatur” errichten zu wollen, werfen ihr manche vor – so zum Beispiel “Focus”-Kolumnist Jan Fleischhauer. “Dass wir uns Demokratie nicht länger leisten können, wenn wir davon überzeugt sind, dass die Klimakatastrophe unmittelbar bevorsteht, liegt meines Erachtens auf der Hand”, schreibt er und fordert einen demokratischen Kompromiss.

“Übertriebene Medienpräsenz”, “messianischer Status”, “PR-Kampagne”

Für viele andere sind dagegen nicht Gretas Forderungen selbst das Problem, sondern ihre hohe Medienpräsenz, die Überdruss weckt (Rainer Stadler, Neue Zürcher Zeitung) und der “messianische Status” ihrer Person (Micky Beisenherz, stern.de). Ein Augenrollen sei durchaus berechtigt, meint Beisenherz. Doch wer sie zur “fremdgesteuerten Marionette eines narzisstisch gestörten Umfelds” degradiere, rede den Klimaschutz klein, so der Autor.

Greta mache sich zur Marke, der Erfolg sei ihr zu Kopf gestiegen, mahnt Martin Rupps vom SWR. Damit schade sie sich und ihrem Anliegen. Volker Petersen von n-tv.de, der den Vorwurf der “PR” an Greta ungerechtfertigt findet, hält dagegen: “Greta Thunberg möchte nichts verkaufen. Es geht nicht um irgendein Produkt, sondern es geht um die Lebensgrundlagen. Selbst wenn die Vorwürfe stimmen sollten, im Hintergrund versuche jemand mit ihr Geld zu verdienen, ändert das nichts am Klimawandel und seinen Folgen, auf die Thunberg unermüdlich aufmerksam macht.”

Was meint Greta selbst zu dem Hass, der ihr entgegenschlägt?

Greta selbst nimmt den Gegenwind übrigens gelassen: “Ich sorge mich nicht über das, was die Leute sagen. Ich sorge mich darüber ob wir etwas tun oder nicht”, sagte sie vor Beginn ihrer Reise nach New York. Auf hoher See ist sie weit entfernt von aller Kritik, allen Todeswünschen und Hasskommentaren. Ihre Überfahrt in die USA bleibt hoffentlich vor allem eins: friedlich und sicher.

Übrigens: In einer Themenwoche vom 16. bis 23. September 2019 widmet sich das Medienunternehmen RTL schwerpunktmäßig den Themen Plastikmüllvermeidung, Umweltschutz und Nachhaltigkeit.

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