Chemnitzer Mordprozess: „Ich schwöre auf Allah, ich habe damit nichts zu tun“ – WELT

Wer erstach Daniel H. in der Nacht zum 26. August 2018? Dieser Frage versucht das Landgericht Dresden nachzugehen, ein Urteil wird am Donnerstag erwartet.

Wenige Tage vor Prozessende hat nun das ZDF-Magazin „Frontal 21“ ein Interview mit einem der Hauptbeschuldigten führen können. Alaa S. sitzt seit einem Jahr in der JVA Waldheim in Untersuchungshaft, das Gespräch mit ihm wurde telefonisch geführt.

Vor Gericht hatte der 23-jährige Syrer bisher zur Tatnacht geschwiegen. Im Gespräch mit den Reportern jedoch bestreitet er die Tat.

Deren Ablauf will er so erlebt haben: Er sei aus einem Döner-Imbiss hinausgelaufen, weil er Rufe gehört habe. „Ohne hinter mich zu gucken, bin ich einfach so mit denen abgehauen. Und dann kommt die Polizei und fasst nur uns beide“, zitiert ihn „Frontal 21“. Alaa S. beteuert, an der Tötung Daniel H.s nicht beteiligt gewesen zu sein: „Ich schwöre bei meiner Mutter, ich habe ihn nicht angefasst. Ich habe überhaupt nicht das Messer angefasst.“

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18.03.2019, Dresden: Der Angeklagte Alaa S. (2.v.l), der im Verdacht steht, an der tödlichen Messerattacke gegen Daniel H. in Chemnitz beteiligt gewesen zu sein, sitzt beim Prozess des Landgerichtes Chemnitz mit seinem Übersetzer und seinen Anwälten auf der Anklagebank in einem Gebäude vom Oberlandesgericht Dresden. Dem Asylbewerber Alaa S. wird vorgeworfen, gemeinsam mit einem flüchtigen Iraker am Rande des Stadtfestes im August 2018 in Chemnitz den Deutschen erstochen zu haben. Der Mann aus Syrien ist vor dem Landgericht Chemnitz unter anderem wegen Totschlags angeklagt. Foto: Matthias Rietschel/Reuters Pool/dpa - ACHTUNG: Person(en) wurde(n) auf Anweisung des Gerichts gepixelt | Verwendung weltweit
Chemnitz-Prozess

Der gemeinsam mit Alaa S. festgenommene Yousif A. wurde wenig später aus Mangel an Beweisen wieder freigelassen. Ein weiterer Tatverdächtiger, Farhad A., ist untergetaucht und flüchtig.

„Ich habe Angst vor jedem hier“, sagt er

Alaa S. sagte im Gespräch weiter, dass er kaum noch an ein faires Urteil glaube. „Ich habe Angst vor jedem hier, ich habe Angst vor den Mitgefangenen, ich habe Angst vor den Beamten. Ich habe sogar Angst vor dem Gericht.“

Dennoch hoffe er, dass die Richter unabhängig urteilen. „Wir sind nicht in Syrien oder in Afghanistan oder im Irak. Ich bin in Deutschland, in einem demokratischen Land.“ Die Wahrheitsfindung müsse an erster Stelle stehen. Besonders belastet habe ihn persönlich die Konfrontation mit der Mutter und der Schwester des Getöteten im Gerichtssaal.

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„Danach konnte ich nicht mehr schlafen. Der den Sohn getötet hat, dem wünsche ich lebenslang. Ich schwöre auf Allah, ich habe damit nichts zu tun“, sagte Alaa S. und fügte hinzu, er könne die Trauer der Mutter nachvollziehen, da er eine Schwester verloren und die Gefühle seiner Mutter erlebt habe.

„Seit einem Jahr warte ich nur auf die Wahrheit“, sagte Alaa S. im Interview. Am Montag, dem 19. August 2019, hatte die Staatsanwaltschaft eine hohe Freiheitsstrafe für den Angeklagten gefordert. In seinem Plädoyer beantragte Staatsanwalt Stephan Butzkies eine Gesamthaftstrafe wegen Totschlags und gefährlicher Körperverletzung von zehn Jahren. Die Höchststrafe bei Totschlag beträgt 15 Jahre.

Ein Zeuge, ansonsten keine Spuren

Die Anklage stützt sich im Wesentlichen auf die Aussagen eines ehemaligen Angestellten eines Döner-Ladens. Der hatte zunächst berichtet, dass er den Angeklagten aus einem Fenster des Imbisses am Tatort gesehen habe, wie er mit schlagenden oder stechenden Bewegungen auf das Opfer eingewirkt habe. Bei späteren Vernehmungen und auch vor Gericht wurden seine Aussagen aber immer unpräziser.

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Spuren von Alaa S. an der Tatwaffe konnte die Polizei nicht finden. Es fehlen auch DNA-Spuren des Täters am Opfer.

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